Hervorragende Nachbildung des klassischen ‚Oberheim SEM‘-Synths von 1974: ‚Arturia iSEM‘ (iPad)

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Hersteller Arturia machte schon früher von sich reden, siehe Rossau-Blog: Superbe Wiedergeburt des Minimoog-Synths: iMini von Arturia (iPad) – ebenfalls wieder in Aktion übrigens. Dann also der nächste Hit! Die Emulation vom ersten polyphonen Synthesizer des in Fachkreisen berühmten und anerkannten Herstellers Oberheim. Zitat der Beschreibung im Store:

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Die iSEM-App ist eine Nachbildung des klassischen Oberheim SEM (Synthesizer Expander Module) von 1974, einer der bekanntesten kompakten Synthesizer-Module und der erste unter dem Namen Oberheim Electronics. Der Oberheim SEM wurde berühmt durch den Einsatz von Künstlern und Bands wie Lyle Mays, Jan Hammer, Josef Zawinul, Supertramp, 808 State, Vince Clarke und Depeche Mode.

Basierend auf der TAE® Technologie aus unserer bekannten Oberheim SEM V Plugin-Software lässt die iSEM-App den Klang und Charakter des Synthesizer-Klassikers klanggetreu wieder auferstehen und erweitert diesen mit den Möglichkeiten der iPad-Oberfläche. Die iSEM-App ermöglicht eine große Bandbreite von warmen, analogen Synthesizerklängen.

Sehens- und hörenswertes Promo/Intro-Video

Derzeit ist das Soundwunder zum Aktionspreis von 4,99 Euro zu haben (Ermäßigung: 50,05 Prozent). Es folgen weitere Videos, Sound-Demos, ein kurzer Rossau-Test und Abbildungen.

Fortsetzung des Zitats aus dem Store:

KOMPATIBILITÄT
Die iSEM-App ist kompatibel mit dem iPad 2 und späteren Generationen mit dem Retina-Display sowie mit dem iPad mini. Unterstützt werden die folgenden Standards: Apples Inter-App Audio (benötigt iOS 7), Audiobus, Korgs WIST und Apples CoreMIDI.

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Durch die Reproduktion der einmaligen SEM-Architektur mit Oszillator-Synchronisation, dem charakteristischen Filter und den gut ansprechenden Hüllkurven ist die iSEM-App in der Lage, die fetten Bassklänge zu erzeugen, die die Oberheim-Synthesizer so populär gemacht haben. Dank der intelligent einfachen Pulsbreiten- und Tonhöhen-Modulation ist es genauso leicht, bewegende und lebendige Lead-Sounds zu erzeugen.

Der bemerkenswerte 12dB/Oktave Multi-Mode Filter, auferstanden aus der glorreichen Zeit der analogen Synthesizer, ist ein Wundermittel für die heutige elektronische Musik. Der einmalige Charakter gibt den Sounds unmittelbar einen fetten, warmen oder Textur-reichen Klang mit allen verfügbaren Zwischentönen.

Die iSEM-App kommt mit über 500 Preset-Klängen, aus denen man nach Kategorien auswählen kann. Aber auch eigene Sounds sind mit der intuitiven Oberfläche leicht zu erzeugen.

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Die vielfältigen Sounds der iSEM-App können direkt vom iPad oder mit jedem CoreMIDI-kompatiblem Interface von einem MIDI-Keyboard gespielt werden, sei es live – oder in einer Studio-Umgebung eingebunden.

Besitzer des Arturia SEM V-Plugins können Presets mit der iSEM-App austauschen.

FUNKTIONSUMFANG
Alle originalen Klangparameter des Oberheim SEM werden unterstützt: Zwei Oszillatoren, jeder mit Sägezahn und in der Breite modulierbarer Rechteckwellenform, LFO (Low Frequency Oscillator) mit Sinuswelle, 12dB/oct Multi-Mode Filter mit Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Notch-Charakteristik, zwei ADS-Hüllkurven-Generatoren.

  • Gegenüber dem Original hinzugefügte Funktionalität: Zweiter LFO mit verschiedenen Wellenformen, Rauschgenerator, Sub-Oszillator, Arpeggiator und Portamento
  • Polyphon spielbar
  • Ein 8-Voice-Programmer erlaubt, jeder Stimme eine eigene Klangcharakteristik zu geben
  • HOLD- und CHORD-Spielmöglichkeiten
  • Virtueller analoger Chorus
  • Virtuelles analoges Delay
  • Umfangreiche Zuweisungsmöglichkeiten der Klangeinstellungen zu MIDI-CC-Parametern
  • Untersützt WIST-Synchronisation mit anderen iOS Geräten
  • Untersützt Audiobus und Apples Inter-App Audio Standard (benötigt iOS 7)

Der Name Oberheim™ ist ein Markenzeichen von Gibson Guitar Corp. Dieses Markenzeichen wird unter Lizenz von der Firma Arturia benutzt.

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Ende des Zitats. Es handelt sich beim folgenden Text um die Kopie eines Rossau-Blogpostings, das im Oktober 2013 erschien, die erwähnten Fehlerlein wurden inzwischen zum Großteil ausgemerzt:

arturia-isem_ios-music-app_homescreen-iconSagenhaft: Um nicht mal einen Zehner erhält man die faszinierenden Original-Sounds des Vorbilds mit stark erweiterter Funktionalität. Getestet am iPad 4 und iPad Air 2 mit Referenzkopfhörern von Sennheiser und AKG sowie Power-Amplification-Anlagen von Harman Kardon und JBL: Erstklassiger Stereosound! Jedem Fan von Brachialbässen wärmstens zu empfehlen. Bekannt für die Simulation von Blechblasinstrumenten (Brass).

Unterstützt „MIDI Learn“ zum Abgleich mit einem MIDI-Controller: Speziell eingefärbter Bildschirm, wo die zugewiesenen Steuerungselemente (Knöpfe…) nur angetippt zu werden brauchen. Im deutschen iOS App Store wird kritisiert, dass auf älteren iPads (2) die Umschaltung der Presets nicht sauber oder nur langsam funktioniert. Zitat aus einer der User-Rezensionen:

Hatte sehr gehofft, dass Arturia den Oberheim portieren würde, aber dass er gleich als nächstes kommt (nach iMini) hätte ich nicht gedacht. Fetter Klang (Tipp: im Voice-Programmer jede Stimme ganz leicht anders im Panorama verteilen, und den zweiten Osc für jede Stimme ganz leicht verstimmen! Chorus braucht man dann nicht mehr…).

Aber es gibt auch Schatten: Mittelmässige Effekte, wenig Modulationsquellen (kein Key-Follow? Hallo?), Chord-Memory wird nicht mit dem Preset gespeichert, kein Legato und kein Swing für den Arp. Einige (alle?) Presets stammen offensichtlich vom (preset-kompatiblen) VST-Plugin (das hat mehr Funktionen), weil dort z. B. per Key-Follow das Panorama moduliert wird. Das lässt sich dann aber nicht abstellen, weil man Key-Follow beim iSEM nicht zugänglich gemacht hat… Trotzdem ganz klare Kaufempfehlung! Jetzt bitte den Prophet V.

Das entsprechende (und eben angesprochene) VST-Plugin Oberheim SEM V (läuft auch als Stand-Alone auf PCs/Macs) von Arturia (Web-Seite mit Demo-Versionen) kostet übrigens 119 Euro.

An ein paar Stellen hakelt’s noch mit der iOS-App. War etwa die „Connect“-Leiste aktiviert, ließ sich die Menüleiste, die sich unterhalb befindet, im MIDI-Betrieb einmal nicht ansprechen.

Kurztest iSEM: Aufnahme mit iPad-Bordmitteln von iSEM-Sound via Audiobus (Rossau-Blogposting über diese Audio-Schnittstelle) auf eine Audio-Spur in Cubasis (Rossau über Cubasis): Okay und watscheneinfach einzurichten. Genauso sollte es mit Garageband, Beatmaker und ähnlichen Apps funktionieren.

Aufnahme via Apples neuer (ab iOS 7) und fast unsichtbarer Inter-App AudioSchnittstelle. Entsprechende Auswahl innerhalb des Samplers Akai iMPC, dort einfach auf „Select Input Source“ tippen (siehe nächstes Rossau-Bildschirmfoto), das klappte beim zweiten Versuch (iSEM musste in der Multitasking-Leiste geschlossen und neu gestartet werden), vielleicht hatte ich zu lange gewartet:

arturia-isem_inter-app-audio_akai-impc

Über Cubasis „MIDI Send“ konnte ich die komplette virtuelle Cubasis-Klaviatur (84 Tasten) mit iSEM-Soundausgabe benutzen. So sieht das MIDI-Routing (Angaben links) für diesen eher ungewöhnlichen Anwendungsfall (nur zum Test) in Cubasis aus, iSEM muss in der „Connect“-Leiste auf „Background Audio“ gestellt sein, damit man etwas zu hören bekommt:

arturia-isem_midi_cubasis

iSEM ist hervorragend (unter Info i oben rechts) dokumentiert. Samt historischer Rückblicke und zahlreicher Abbildungen.

Einige Settings sind übrigens auch in der iOS-Standard-App „Einstellungen“ (Zahnradsymbol am ersten iPad-Home-Bildschirm, Listeneintrag „Arturia iSEM“) zu finden: Etwa die Steuerungsparameter für die virtuellen Potentiometerknöpfe „linear“ oder „circular“, oder die Bewegungsrichtung der Mod- und Pitch-Wheels (eigentlich Hebel), nämlich „Oberheim-Style (inverted)“ oder umgekehrt (üblicher auf anderen Synths).

Vier Rossau-Screenshots (Mini-Auswahl) von der weit extensiveren Gebrauchsanleitung inside (Anklicken = Vergrößern):

arturia-isem_manual-01arturia-isem_manual-02

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Während der (bereits im zweiten Absatz erwähnte und verlinkte) iMini von Retronyms für Arturia produziert wurde, kommt das Oberheim-Exemplar über Tempo Rubato/Ralf Wöhrmann (Website), den man mit NLog (Rossau-Blogposting über den Synth) und dem vorzüglichen Waldorf Nave (Rossau) in Zusammenhang bringt. Das verspricht überkomplette und stabile Ausstattung mit iOS-spezifischen Sound-Features.

„Musiker wie Josef Zawinul, den meisten sicherlich als Tastenzauberer der Jazzrock-Formation Weather Report bekannt, oder Bill Payne, seines Zeichens Keyboarder von Little Feat, haben sich neben vielen anderen namhaften Kollegen dieser Synthesizer bedient und damit an einem Klangkult mitgearbeitet, dem gerade in der heutigen Zeit nach der Wiederentdeckung der analogen Klangkunst auch seitens der Hersteller Rechnung getragen wird. Manfred Mann, in den 70ern vordergründiger Minimoog-Virtuose, hatte schon damals u.a. immer einen Oberheim SEM in der Hinterhand, um den Klang seines geliebten Moog um einige weitere Facetten anzureichern.“ (Quelle: amazona.de, s. u.)

  • Website des Herstellers mit ausführlichen Dokumentationen, weiteren Sound-Demos unter „Guided Tour“ und Sound-Clips unter „Media“
  • Angeregte Diskussion über Arturia iSEM im Audiobus-Forum, hier sind die Spezialisten am Wort, der NLog/Nave/iSEM-Entwickler mit dem Nickname nlog ist anwesend, Video vom SEM-Original/Vorbild gleich am Anfang; nlog im Originalton: „There was some discussion about polyphony etc. The iSEM is a poly synth. The number of max voices is determined by the iPad generation. However, you can change that in the Settings.app to a fixed number. But don’t blame me if you’re overload the iPad. ;-) The iSEM is not multi-timbral, but with the mentioned Voice Programmer you can do some sort of parameter automation sequencing.“
  • Test von amazona.de (2010): Tom Oberheim SEM Neuauflage (das Original); daraus: „Insgesamt besticht das SEM durch einen tiefen und warmen Charakter, der durch das weich und sahnig klingende Filter schön abgerundet wird. Nichtsdestotrotz sind auch harte Bässe möglich, die den prägnanten Eindruck dieses Instruments noch mehr festigen.“ In den Kommentaren: „Mir fehlen im Grunde die Worte. Sagen wir mal so: In den letzten 30 Jahren hab ich nichts Fetteres gehört. Das Filter ist spektakulär, dagegen ist die 24dB-Leiter von Moog (steht in 2 Versionen daneben) ganz kalter Kaffee. Hüllkurven gehen in Ordnung, die vom Mini sind im unteren Bereich besser gespreizt. Die VCOs sind mörderlaut, der externe Eingang dagegen eher lausig leise. Was für mich zählt, ist jedoch der Klang und die Haptik – das Ding ist jeden Pfennig wert.“ Nämlich gut 1.000 Euro allein für das SEM-Modul.
  • Wikipedia: Oberheim; daraus:

Das US-amerikanische Unternehmen Oberheim war einer der bekanntesten Hersteller von Synthesizern in den 1970er und 1980er Jahren.

Oberheim-Synthesizer; Bildquelle: Wikipedia

Oberheim Factory Custom Dual Manual 8 Voice Synthesizer; Bildquelle: Wikipedia

Oberheim (Oberheim Electronics) wurde 1970 von Tom Oberheim gegründet. Ursprünglich stellte er elektronische Effektgeräte her und war kurzzeitig Vertreter von ARP Instruments. Oberheim gehörte zu den Pionieren bei der Entwicklung des Synthesizers in den frühen 1970er Jahren. So produzierte Oberheim mit dem DS-2 den ersten digitalen Sequenzer und mit dem Synthesizer Expansion Module(SEM) den ersten polyphonen Synthesizer.

Ursprünglich nur als monophones Expander-Modul für den Minimoog gedacht, erschien das SEM-Modul ab Mitte der 70er Jahre auch als zwei-, vier- und achstimmige Tastaturversion (dementsprechend „Two Voice“, „Four Voice“ und „Eight Voice“ genannt) in einem Flightcase-Gehäuse. Hierbei wurden die SEM-Module einfach nebeneinander (bzw. beim Eight-Voice sogar in zwei Vierer-Reihen übereinander) angeordnet. Diese Synthesizer waren die ersten multi-timbralen Synthesizer der Welt, da man jedem enthaltenen Modul bei Bedarf einen eigenen Tastaturbereich zuordnen konnte.

Im offiziellen Tutorial-Video bietet der Herr Professor eine prima Übersicht auf die wichtigsten Funktionen, und es tönt entsprechend. In knapp zehn Minuten ist man bestens informiert, etwa über das Einrichten von Aufnahmen via Audiobus (hier mit Garageband), via Apples neuem Standard (ab iOS 7) Inter-App Audio (hier mit Akai iMPC) und MIDI-Features für externe Keyboards:

iSEM Tutorial Video

Im nächsten Video werden ein paar der zahlreichen Presets angespielt. Der Rezensent klimpert auf einer externen Klaviatur und ist ganz angetan – die Soundqualität passt auch hier:

iSEM from Arturia preset demo and review

Noch ein Video, das stellenweise erstaunlich musikalisch klingt, obwohl nur demo-mäßig Presets und Features ausprobiert werden:

Resümee. Hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis. Der Spitzen-Synth kostet normalerweise 9,99 Euro und ist derzeit um 4,99 Euro erhältlich. Die jüngste Aktualisierung erschien im Juli 2016 („Arpeggio sync when used in Inter-App Audio & as AudioUnit, support sample rate changes with Inter-App Audio or AudioUnit hosts“). 96,4 Megabyte Download-Volumen. Link ins iOS App Store:

Arturia iSEM

TOPTIPP!

Persönliche und plausibel klingende Liste mit den zehn besten iOS-Synthesizern (wenn auch ohne die KORGs) von einem Mitglied des Audiobus-Forums:

  1. Nave (Rossau-Bericht)
  2. Thor
  3. Alchemy
  4. Arturia iSEM
  5. Animoog (Rossau)
  6. WaveMapper
  7. CubeSynth
  8. Sunrizer (Rossau)
  9. Arturia iMini (Rossau)
  10. iPulsaret/Grain Science

Zum Abschluss noch eine kurze Sound-Demo vom Hardware-Original:

Rossau Blogposting Aktualisierung 13. November 2013

Mitch Gallagher gets very deep into Arturia’s iSEM synthesizer for iPad:

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