Die hohe Kunst der Wiederholung (und Werbung): Geniales Rätselspiel und Bauhaus-Kunstwerk ‚Blek‘ (Universal)

Ein wahres Meisterwerk von einem iOS-Spiel!

Minimalismus in Perfektion! Einfache Regeln: Die farbigen Punkte erreichen und zum Platzen bringen, die schwarzen vermeiden. Eine ruhig und gelassen mit der Fingerkuppe hingekritzelte Linie – kürzer oder länger – wird von der Software vollautomatisch repetiert, fortgesetzt und von den linken und rechten Bildschirmrändern reflektiert zurückgeschickt. Nur die ersten Runden sind ganz leicht, später kommt auch noch präzises Timing hinzu…

Die sensationelle App ist kaum mit Worten zu beschreiben, daher gleich das offizielle Trailer-Video, aus dem exakt innerhalb der ersten zehn Sekunden (!) hervorgeht, was es mit der Spielmechanik auf sich hat (nach den zehn Sekunden werden allerdings Rätsellösungen verraten – wer von selbst draufkommen will, sollte dann besser wegsehen):

Weitere Details finden sich in der offiziellen Beschreibung im Store. Unterstützt Game Center (21 „Erfolge“ zu erreichen über das kreisförmige Symbol unten, irgendwo steht dort noch was von einer „versteckten“ Überraschung). 26,7 MB. Es folgt der Link ins Apple iTunes/iOS App Store zur uneingeschränkten und supersauberen Premiumversion (nicht mal ein Nag-Screen, man möge die App doch bewerten, oder eine Mitteilungen-Anfrage) für iPad, iPhone und iPod touch:

Blek

TOPTIPP!

Blek, ein ausgesprochen bemerkenswertes iOS-Game (seit kurzem auch als Android-Version bei Google Play) von einem Brüderpaar aus Wien (Homepage: kunabi brother/Denis Mikan), erschien letzten Dezember (Edit 2017: einwandfrei iOS-11-Proof), erstürmte prompt die sehr wichtigen iTunes-U.S.-Charts (Platz 1 der Bezahlspiele) und ist nun – abgesehen von einer kurzen Einführungs-Aktion – erstmals zum Allzeit-Bestpreis (war noch nie günstiger) von 0,89 € erhältlich (Normalpreis: 2,69 2,99 €). [Der aktuelle (September 2017) Preis von Blek liegt bei 4,49 Euro; es ist jeden einzelnen Eurocent wert!]

[Edit 18. 5. 2014: Aktion beendet. Neue Aktion 26. 5.–2. 6. Nächste Aktion 12. 6.–16. 6. Neue Aktion ab 9. 7. Ist in letzter Zeit also etwa ein Mal pro Monat (oder alle zwei Monate) in Aktion, wobei die Dauer immer kürzer wird. Nach einer längeren Pause folgte eine weitere Aktion, diesmal wesentlich länger: von 19. 11. bis 16. 12. 2014. Neue Aktion nun zu dem von Apple Anfang des Jahres erhöhten lowest-tier-Kategoriepreis (s. Rossau dazu) von 0,99 € – ab 4. Februar 2015!]

Das folgende (gekürzte) Zitat stammt von der Website der Hersteller:

blek_ios-game_homescreen-iconBeing asked to describe Blek my brother rattled off: It’s an open-ended experience with singular game mechanics and deep, bauhaus-informed design. Huh! Just imagine working with a guy who can say something like that about a game. Yes, it can be complicated. But Blek isn’t.

Blek is about imagination, curiosity and experimenting. It’s about personality, your own style and temper. But most of all – it’s about PLAYING. A simple goal, to shape a line that collects all colored circles avoiding black holes on its route, can be a challenging one, but through minimalistic, beautiful design Blek reminds you that all you need to do is to play [with] it.

There are no specific moves that you need to master. To every level countless solutions exist, from delightfully simple to exceptionally deep and complex, yet always elegant.

There are no instructions. No tutorials. No spoilers. And I will keep my brother busy, preventing him from explaining game mechanics.

Es gibt wirklich nicht mehr allzu viel zu sagen oder schreiben. Allerorten und völlig berechtigt mit den höchsten Bewertungen ausgezeichnet! The New York Times: „The game looks like modern art and plays extraordinarily well. Beautiful on so many levels but so uncomplicated and uncluttered, Blek is a perfect representation of touch-screen play. It’s one of the year’s best iPad games.“

Spiegel online: „Fingerübung in Minimalismus. Manchmal will ich einfach das Level nicht schaffen. Sondern Linien zeichnen und schauen, wie sie sich über den Bildschirm bewegen. Wie sie hin- und herzucken, kreisen oder wackeln. Und ab und an auch mal einen bunten Punkt platzen lassen.“

derstandard.at: „Denis ist Autor von Kurzgeschichten und veröffentlichte 2002 die Novelle Emil. Davor ist Sounddesigner und nutzt für seine unter Crónica herausgegebenen Kompositionen Softwarealgorithmen – hinzu kommt ein Interesse für Kalligraphie [Wikipedia über die Kunst des Schönschreibens, siehe auch das Homescreen-Icon sowie die variable Strichstärke des Avatars; Anm. Rossau-Red.] und die japanische Gedichtform Haikus (Wikipedia). Blek vereint alle diese Eigenschaften.“

Interessant und clever ist auch, wie direkt man nach Betätigung des Homescreen-Icons in medias res geführt wird. Kein Willkommensbildschirm, keine Menüs, kaum Anleitungen – „nur“ ein Spiel. Minimalistischer geht’s kaum. Das bedingt offenbar, dass die bereits gelösten Spielrunden nicht direkt angesprungen werden können, sondern dafür gibt es lediglich zwei Pfeile unten (links und rechts) zum Weiterblättern (Tap & Hold wird immerhin unterstützt).

Vielleicht findet sich dafür ja in Zukunft eine bessere Möglichkeit (etwa Doppel-Tap auf die Pfeile führt zu einem übersichtlichen Menü, in dem die Level abgebildet werden), da man zurückliegende Runden gerne nochmal spielen möchte; schließlich gibt es laut Hersteller „unendlich viele Lösungen“ (jedes Wort stimmt), was ja den besonderen Reiz dieses grafisch animierten Rätsels ausmacht. Wieder einmal gilt: Nur auf reaktionsschnellen Touchscreens zu spielen, keine Chance für träge Mäuse.

Die sehr zurückgenommenen und ebenfalls einwandfrei dazu passenden Effektgeräusche lassen keine Hintergrundmusik vermissen. „Blek contains voice sounds by the composer and vocalist Erin Gee.“ Inzwischen hat sich auch herumgesprochen, welche Level die schwersten sind, nämlich 28, 50, 56 und 58 (von 60). Weitere sollen nachkommen.

Die mögliche Länge des Strichs ist übrigens – je nach Spielrunde – begrenzt. Wird diese Grenze überschritten, fängt die Linie ohne Absetzen der Fingerkuppe von selbst zu laufen an. Gleiches gilt, wenn beim Malen eine farbige Kugel berührt wird.

Wird auf den kleinen iOS-Geräten (iPhone, iPod touch) gespielt, stellen sich die Levels etwas anders dar (aufwändig angepasst), daher gibt es absichtlich keinen iCloud-Sync (Spielstandsabgleich für ein- und denselben GC-Account) zwischen großen und kleinen iOS-Geräten (trotz Universal-App; die Software, ursprünglich eine reine iPad-App, wurde erst nachträglich iPhone-tauglich gemacht).

Für alle, die nichts dagegen haben, wenn sie nicht in Schritt-für-Schritt-Anleitungen am Händchen geführt werden, sondern die es schätzen, dass es ausschließlich auf die eigene Kreativität und Intelligenz ankommt. Ganz was Spezielles!

Hintergrundinformation. Zum großen Erfolg von Blek trug auch eine ziemlich massive Werbekampagne bei, die bei YouTube lief (oder sogar noch/wieder läuft), und über die der eine oder die andere schon gestolpert sein dürfte. Da passt alles: Zeitpunkt, Zielgruppe und natürlich der Spot selbst – man kann praktisch nicht wegsehen oder -zappen (und das Spiel nicht zu vergessen). Äußerst selten, dass ich Werbung lobe. Alle fünf Jahre einmal. Kostet den Werbeträger drei Dollar-Cent pro Sichtung und zahlt sich angeblich voll aus.

In zehn Sekunden ist der potenzielle Käufer gefangen. InstaBuy! Und er wird keineswegs enttäuscht, sondern eher im Gegenteil. Positive Überraschungen und emotionelle Ausbrüche folgen zuhauf!

Raffiniert. Natürlich spielt auch das zu variierende Tempo, mit dem man die Linien (in einem besonderen Schönschrift-Font – dicker oder dünner, je nach Schwung) aufmalt, eine Rolle. Der von Blek prozedural erzeugte Effektsound reagiert unmittelbar auf Tempowechsel und lässt besonders schwungvoll genommene Kurven und Kanten deutlich akustisch hervortreten, natürlich auch in den Wiederholungen (fast ein kleiner eingebauter Synth). Ich liebe so etwas: Auf den ersten Blick ureinfach und fast simpel – im Hintergrund jedoch werkelt subtilst am allerjüngsten Stand der Dinge befindliche Hightech. Die synthetisierten und durchaus humanen Ausdrücke des Bedauerns (mehrere werden offenbar nach Zufall abgespielt), falls etwas schiefgehen sollte (und das tut es!), sind ebenfalls einzigartig und wurden noch nie gehört.

~ Rossau Blogposting Aktualisierung ~

Bin im Level 55. Zirka zwei Stunden bisher. (Oder gar drei?) Hinreißend! Jede Sekunde ein Genuss! Unglaublich, mit wie wenig sich soviel Spannung aufbauen lässt. (Spoiler-Alert! Wer die Rätsel ohne Hinweise lösen will, sollte die nächsten beiden Absätze überspringen!)

Immer wieder neue Einfachst-Elemente, etwa mehrere sich in ungleichmäßigem Rhythmus drehende Kanonen oder anderes, bei dem man nach spätestens zwei-, dreimal Try & Error merkt, was es damit auf sich hat. Manche Aufgaben sind in der Ausführung wesentlich leichter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, bei anderen ist es genau umgekehrt. Ansatz- und Endpunkte sind entscheidend, in welche Richtung sich der Wiederholungswurm fortsetzt.

Ich würde jetzt mit großer Begeisterung noch ein paar Hinweise geben oder Lösungsvideos anfertigen, tue das aber erstmals bewusst nicht (was mir fürchterlich schwer fällt). Mit dem Teil muss wohl jede und jeder selbst klarkommen. Ruhig auch mal diagonal oder in die andere Richtung denken. Versuchen, grafische Muster und deren Spiegelungen (teilweise unregelmäßig diagonal versetzt) zu erkennen, die schwarzen Punkte nicht hassen, sondern als Hilfe (eine Art Lineal) schätzen lernen. Eckig, dreieckig, viereckig, rund, schlangenförmig, eine Kombination von alledem plus eventuell elegante Schnörksel… Psst jetzt!

Auf der Wunschliste steht eine Art Videorecorder (für die besonders gelungenen Lösungen). Vielleicht ein Level-Editor? Mehr, mehr, mehr vom Wenigen! Absurd.

Kann das nächste Blek-Update kaum erwarten. Exzellentes Level-Design, perfekt ausbalancierter und motivierend ansteigender Schwierigkeitsgrad (selten, dass ich eine Runde fünf- oder zehnmal wiederholen musste). Voll familientauglich und total gewaltfrei (okay, die armen toten bunten Punkte…). Im Ernst: Erfolgserlebnisse ohne Ende! Hoher Replay-Faktor (Anreiz, bereits gelöste Runden nochmal zu probieren). Extraklasse!

Da kann man sich eigentlich nur herzlich bedanken – trotz der YouTube-Werbung (daher diesmal auch kaum ein Hinweis auf Weblock). Selten geworden in unserer heutigen Kampf-Konsumwelt. Äußerst selten. Bin wie gesagt völlig sprachlos. 💬 Chapeau! Schöne Grüße vom Alsergrund nach Neubau! Eines der besten iOS-Spiele, und ich kenne fast alle.

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