Servergestützte App ‘CloudOn’ für Microsoft-Office-Dokumente (Universal-App)

Klick/Tap auf das Bildschirmfoto: iPad-2-Originalauflösung. Direkt-Link zur iOS-Applikation im U.S.-App Store (iTunes-U.S.-Konto erforderlich, siehe unten):

CloudOn

Gratis-App; 3,2 MB, engl.

Das im kalifornischen Palo Alto residierende Startup-Unternehmen CloudOn sorgte diese Woche für einiges Aufsehen, als es seine erste iOS-Applikation für das iPad ins App Store stellte [Rossau Blogposting Update, 22. Dezember 2012: nun zur Universal-App befördert und also auch für iPhone und iPod touch; Details weiter unten]. Es handelt sich um ein cloud-hosted Microsoft Office® 2010.

Microsoft Powerpoint via CloudOn auf dem iPad

Aus der Beschreibung im App Store:

Zum ersten Mal kriegen Sie Microsoft Office ® auf Ihr iPad. Im Ernst.

Mit CloudOn können Sie auf Ihrem iPad Dateien der Anwendungen Microsoft Word ®, Excel ® und PowerPoint ® erstellen, anzeigen und bearbeiten. Diese Anwendungen funktionieren, wie Sie es erwarten, und Ihre Dokumente werden so aussehen, wie Sie es wollen.

Lust auf mehr? Natürlich!

CloudOn ermöglicht Ihnen auch Zugriff auf Dropbox, um Ihre Dateien zu verwalten. Öffnen, bearbeiten und speichern Sie sie direkt in Ihrem Arbeitsbereich mit Ihrem Dropbox-Konto.

Edit: Eine Woche später erschien ein ganz ähnliches Konkurrenzprodukt, siehe Rossau: On Demand: Cloud-basiertes Windows 7 und Microsoft Office am iPad mit OnLive (U.S.-iTunes-Account). Edit Ende.

Rossau-Kurztest

Registratur bei CloudOn und Dropbox (zwei Gigabyte Speicherplatz gratis) erforderlich; die Dropbox-Account-Informationen (Kennwort) müssen innerhalb von CloudOn eingegeben werden, sonst läuft nichts (die Firma CloudOn hat somit theoretisch Zugriff auf den persönlichen Dropbox-Account).

Die eingeblendete virtuelle Tastatur besteht aus dem iOS-Standardkeyboard plus eine schmale Leiste mit Funktionstasten und Richtungspfeilen. Auf dem Bildschirmfoto ganz oben in diesem Artikel habe ich das englische Layout eingestellt, es kann natürlich auch über die Taste mit dem Globussymbol (dieses Symbol ist nur dann zu sehen, wenn in den iPhone/iPad-Einstellungen mehr als eine Sprache aktiviert ist) das deutsche qwertz-Layout gewählt werden.

Dropbox-Dateimanager innerhalb von CloudOn

CloudOn befindet sich derzeit in einer Testphase und wird seit Dienstag an erste U.S.-Kunden verteilt. Servergestützt bedeutet, dass die Office-Software nicht am iPad installiert ist, sondern auf einem fernen Server läuft und über Cloud-Technik erreichbar ist. Das klappt also nur, wenn eine Online-Verbindung besteht.

Bei einem Kurztest funktionierte das hier am iPad 1 (orig.) und iPad 2 rein technisch soweit ganz gut, die Bedienung ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Das Service war nicht immer zu erreichen, die App war für ein paar Tage nicht im U.S.-Store erhältlich (Details s. u. MacRumors-Links); aber momentan scheint alles zu laufen, und das sogar in einem erträglichen Tempo.

Die Dokumente können auch direkt aus der iOS-Standard-App Mail geöffnet werden. Ich probierte das mit ein paar umfangreicheren Files von docdigger.com.

Auswahl im Kontextmenü der iOS-Standard-App Mail

Sicherheitshinweise

CloudOn und Dropbox sind Third-Party-Services. Ich würde dort (wie bei Google, Facebook und Konsorten) nur Dokumente hochladen und speichern, die keine hohen Sicherheitsstandards in Bezug auf Vertraulichkeit und Geheimhaltung (Privacy) erfüllen müssen. Man kann sich diese Dokumente/Dateien (dasselbe gilt für E-Mails) wie Ansichts- oder Postkarten vorstellen, die jeder lesen kann (zumindest der Zusteller/Briefträger), der sie “zufällig” findet.

Kurz: Die technische Datensicherheit ist bei den großen und berühmten Cloud-Diensten (CloudOn ist noch dazu ein Newcomer) im Allgemeinen sehr hoch (kaum Risiko von Datenverlust, fast besser als auf lokalen Festspeichern), die Einhaltung der Privatsphäre ist jedoch äußerst ungewiss und reine Vertrauenssache. Trotz ausführlicher Erläuterungen wie etwa hier ganz offiziell vom Hersteller: CloudOn Privacy Policy

CloudOn: Ein weiteres Word-Dokument

Weitere Informationen
WWW-Hyperlinks

Neben der Editiermöglichkeit bietet CloudOn Workspace eine Viewer-Funktion für seine unterstützten Formate – so lassen sich etwa Änderungen an Word-Dokumenten verfolgen und Pivot-Tabellen im Nur-Lesen-Modus manipulieren. PowerPoint-Präsentationen sind im Vollbildmodus möglich. Technisch setzt CloudOn offenbar auf ein VNC-artiges (Wikipedia, engl.) Hosting.

Damit die Bedienung des Microsoft-Büropakets auf dem iPad nicht ganz so schwer fällt, sind Funktionstasten oberhalb der Tastatur angeordnet. Der Touchscreen-Umgang mit dem Ribbon-Interface in Office 2010 ist allerdings auch damit kein großes Vergnügen. Derzeit ist das Angebot noch kostenlos.

Die Tabellenkalkulation Excel via CloudOn am iPad

Rossau-Artikelaktualisierung (22. Februar 2012): Angeblich steht CloudOn seit Ende letzter Woche auch für britische iTunes-Accounts zur Verfügung. Es kommt langsam näher.

Rossau-Artikelaktualisierung (7. Juni 2012): CloudOn steht jetzt auch in weiteren Ländern wie Österreich und Deutschland zur Verfügung! Es ist kein U.S.-Account mehr vonnöten.

Rossau-Artikelaktualisierung (22. Dezember 2012): CloudOn wurde zur Universal-App befördert und steht jetzt auch für die kleinen iOS-Devices zur Verfügung (ungetestet):

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👉 Virtueller “Zweitwohnsitz” 👈
U.S.-Account für iTunes

Es gibt einen Trick, wie man das iOS-App-Store-Land wechseln kann. (Edit 7. Juni 2012: Für CloudOn nicht mehr nötig, s. u.)

Um Gratis-Apps zu laden, die im Heimatland aus irgendwelchen Gründen nicht verfügbar sind, benötigt man nur einen (fiktiven) Namen, eine ebensolche Postadresse (hier: in den Vereinigten Staaten), eine gültige E-Mail-Adresse (die sich von der „offiziellen Apple-ID“ im Heimatland unterscheiden sollte) und keine Kreditkarteninformationen (und keinen Jailbreak; Rossau-Begriffserläuterung).

Einfach die entsprechende Apple-Anleitung (engl.Punkt für Punkt durchgehen und entsprechend ändern/ergänzen: In iTunes ein anderes Land wählen, in diesem Fall USA. Genauer:

Unter “Account auf einem Computer erstellen, Punkt 2″ steht bei Apple zu lesen:

Klicken Sie auf “iTunes Store” (links im iTunes-Fenster) und wählen Sie Ihr Land aus, indem Sie rechts unten auf der iTunes Store-Hauptseite auf die entsprechende Landesflagge klicken.

“Ihr Land” ist in diesem Fall (für unseren Zweit-Account) jenes Land, von dessen iOS App Store wir die Gratis-App downloaden, installieren und verwenden wollen. Also nochmal, was CloudOn anbelangt: USA.

X-mal getestet, das funktioniert ausgezeichnet und zuverlässig seit Jahren (bestätigt von mehreren Quellen). Es können theoretisch beliebig viele iTunes-Konten in beliebig vielen Ländern angelegt werden.

Die fiktive (oder echte) Wohnadresse sollte zumindest (für das jeweilige Land) plausibel sein. Allgemein wird empfohlen, über Google ein mittelgroßes Hotel zu suchen (Adresse, Telefonnummer), – ich konnte es nicht lassen und benützte schamlos einen der zahlreichen Orte in den Staaten, die den Namen Springfield tragen (bitte nicht unbedingt nachmachen, man nehme von mir aus New York); schließlich könnte man ja dort geschäftlich (oder privat auf Urlaub) gewesen sein und hätte somit (zumindest teilweise) die Auflage der gestrengen Apple-Gesetze für einen iTunes-Account erfüllt, wonach man sich in dem Land aufhalten muss.

“Please read this software license agreemend carefully.” Apple Terms and Conditions für iTunes: “The iTunes Service is available to you only in the United States, its territories, and possessions. You agree not to use or attempt to use the iTunes Service from outside these locations.”

Territories? Wie gut, dass sich die ausufernde Bude der amerikanischen Botschaft gleich hier in der Rossau um die Ecke in der sehr gut bewachten Boltzmanngasse befindet. Mein iPhone kann deren WLAN-Netze förmlich riechen, wenn ich dort mehrmals täglich vorbeikomme. Nein, im Ernst:

Ich bin ein Amerikaner! :) (Zumindest solange es sich um prima Gratis-Apps handelt, die es sonst nirgendwo gibt.) Ich bin älter als zwischen 13 und 18 (s. Apple-Dokument) und habe – übereifrig und -korrekt, wie ich nun mal bin – trotzdem meine Mutter gefragt (deren beste Freundin übrigens auch eine waschechte U.S.-Amerikanerin ist), dieser Blog wird auf einem Server in den USA gehostet und auf einem Gerät “designed in California” verfasst, ich aß zu Mittag Filet-o-Fish und füttere brav Twitter und Google mit meinen intimsten Erkenntnissen. – Also was noch?

Unter “Einstellungen – Store” ändert man am iOS-Gerät das Land des iTunes-Kontos: Die Textfläche mit der “Apple-ID” berühren, das öffnet ein Kontextmenü

Zurück nach Mitteleuropa. Sollten für die “aus dem Ausland installierten” Apps interessante Updates erscheinen (Hinweise darauf tauchen auch auf, wenn man sich mit iTunes/iOS App Store gerade im Heimatland oder sonstwo befindet), ist es ganz leicht, dafür kurzfristig das virtuelle Land zu wechseln, und zwar sowohl am PC/Mac als auch am iDevice (einfach ab- und mit dem anderen Account neu anmelden, nach dem Aktualisierungsvorgang vice versa; dauert keine drei Minuten), – ganz nach Wunsch.

Eventuelle „Top In-App-Käufe“ (das betrifft nicht CloudOn, weil die App keine anbietet) und Bezüge von kostenpflichtigen Apps sind nach dieser Methode nicht möglich, dazu müsste man eine gültige Kreditkarte in dem “Gastland” haben (oder iTunes-Geschenkkarten via eBay).

Zusammengefasst: Es ist zwar angekündigt, dass CloudOn später auch für andere Länder offiziell zur Verfügung stehen soll. Auf der Hersteller-Website (s. o.) kann man sich “pre-registrieren”, um darüber informiert zu werden (ich habe das bereits für AT erledigt und werde die Rossau-Besucher unterrichten, sobald es soweit ist), wer das Service aber schon jetzt nutzen möchte, kann das über einen iTunes-U.S.-Account tun.

Haftungs-Ausschlussklauseln: Alle Angaben im vorliegenden Rossau-Blogposting ohne Gewähr! Auf eigene Gefahr! Es kann keine Garantie für eine hundertprozentige Vollständigkeit der Angaben übernommen werden. Irrtümer und Druckfehler vorbehalten. Vorsicht, rutschig! Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden. Und zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.

Bevor das jetzt hier ausartet, darf ich wieder einmal allen Ernstes den einigermaßen bekannten Original-U.S.-Amerikaner Richard Dreyfuss die Apple-Geschäftsbestimmungen rezitieren lassen; das Stück dauert zwei Minuten und dreißig Sekunden, und man sollte es sich carefully bis zum bitteren Ende anhören:

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7 Antworten zu Servergestützte App ‘CloudOn’ für Microsoft-Office-Dokumente (Universal-App)

  1. Pingback: Erstellen und Bearbeiten von Microsoft ® Office-Dateien am iPad, iPhone und iPod touch | Rossau

  2. Pingback: Fünf Gigabyte kostenloser Cloud-Speicherplatz ‘Ubuntu One’ | Rossau

  3. So völlig legal ist das mit dem iTunes-US-Account ist das auch nicht. Man verstößt auf jeden Fall gegen die Apple-Nutzungsbedingungen vom Store, in denen es heißt, dass man Bewohner des jeweiligen Landes sein muss. Die bewusste Falschangabe der Adresse ist darüber hinaus rechtlich problematisch.

    Übrigens kann man mit so einem Account auch problemlos einkaufen, wenn man sich bei eBay oder in den USA selbst US-iTunes-Gift-Cards besorgt und damit sein Konto füllt.

    • Habakuk schreibt:

      Danke für Deine Hinweise, Tobias.

      Wie auch immer – wir haben hier keine auf internationale Cloud-Geschäftsverbindungen spezialisierten Juristen mit einer Analyse beauftragt, verwenden diesen Trick (und veröffentlichen Anleitungen) schon seit Jahren, und es hat sich bisher noch niemand beschwert. Meiner bescheidenen Meinung nach liegt der „Illegalitätsfaktor“ (aus Sicht der Firma Apple) weit unter jenem eines Jailbreaks.

      Für die große Masse ist das ohnehin nichts, deshalb wird sich Apple einen Dreck darum scheren. Ich schätze, dass sich diese gewissen Umstände keine drei Prozent der iOS-User antun, bestenfalls Tech-Nerds wie wir. Der durchschnittliche iPhone-Benutzer besitzt übrigens ganze zwölf Apps am Homescreen (abseits der vorinstallierten Apple-Standard-Apps). (Habakuk: >6.000 Apps/200+ GB im iTunes-Archiv am Mac; Nerd ist in dem Fall wohl ein Hilfsausdruck). Sane over.

      Die Methode funktioniert jedenfalls makellos: Einmal einrichten, was ein paar Minuten dauern kann, dafür dann immer wieder verwenden. Gelegenheiten bieten sich relativ häufig; fünf- bis sechsmal pro Jahr, Tendenz steigend. Für sammelwütige iOS-Junkies.

      Hardcore-Zocker, die stets die neuesten iOS-Spiele unbedingt vor dem Rest der Welt (20 Stunden vor der U.S.-Westküste) haben müssen (da gehöre ich dann doch nicht dazu), besitzen übrigens einen „Fake-iTunes-Account“ in Neuseeland, und davon gibt es nicht wenige (s. etwa touchArcade-Forum). Drittwohnsitz down under sozusagen. :) Der internationale Handel mit NZ-iTunes-Geschenkkarten blüht!

      Ich glaube ehrlichgesagt nicht, dass man jemals mit legislativen Konsequenzen rechnen muss, Apple einem zur Strafe das iPad wegnimmt oder man gar ins Gefängnis wandert, weil man sich ein paar Gratis-Apps aus den Staaten geholt hat. Schlimmstenfalls kann ich mir vorstellen, dass einem der U.S.-Account gekündigt wird, wenn grober Missbrauch betrieben wird, aber ich habe noch nie von solchen Aktionen gehört (treibe mich viel auch in internationalen einschlägigen Foren herum).

      Wer sich dennoch fürchtet, muss halt warten, bis das Service oder die iOS-Applikation offiziell im Heimatland zur Verfügung steht.

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