Neuer Flipper: Wild West Pinball

ip_wild-west-pinball_01Das nennt man mal Service: Kaum haben wir im letzten Artikel angemerkt, dass die Auswahl an Flippern für unsere Plattform überschaubar ist, schlägt auch schon fast gleichzeitig die nächste köstliche Pinball-Simulation im App Store (und natürlich nicht viel später in manch rossauerischem iPhone) ein.

Wild West Pinball
App Store Link, 0,79 €

Auch dieser braucht sich nicht zu verstecken und kann den Vergleich mit den bisher erschienenen durchaus aufnehmen. Es handelt sich zwar nur um einen einzigen Tisch, der es jedoch in sich hat und bestimmt nicht zu den ganz leichten Flippern gehört, wenn man in die Highscore-Liste kommen will. Ebenfalls ganz neu und exklusiv für iDevices.

Pinball pur ohne neumodernen Schnickschnack! Diese perfekte und bis ins letzte raffinierte Detail durchdachte Simulation einer Oldtimer-Maschine hat zweifelsohne ihre Reize:

Viel Holz und Metall, kein Krümelchen Plastik weit und breit, ausgezeichneter Stereo-Sound von elektromechanischen Geräuschen (sweet, ein wenig wird immerhin das Rollgeräusch der Kugel vermisst), einwandfreie Wiedergabe der physikalischen und kinetischen Verhältnisse (gelegentlich kommt es zu kurzen Verzögerungen der Framerate inzwischen behoben), Online-Highscores, sehr schöne Intro (Präsentationsmodus, ein typischer Begriff aus der Pinball Machine Scene); kurz: Alles, was der Profizocker braucht :) Und nicht nur der. Beileibe nicht.

Tonfilm von touchArcade.com über Wild West Pinball:

Video mit geringerer Bandbreite ansehen

Der touchArcade-Chef arn höchstpersönlich schafft immerhin mit einer einzigen Kugel zwei Banküberfälle und einen Dirty Harry!

Weiter geht es – wie gewohnt in der Rossau – mit mehreren Screenshots (die auf iTunes nicht zu finden sind) und einer Beschreibung des spannenden und herausfordernden, äußerst kurzweiligen und vielleicht sogar lehrreichen iPhotch-Spiels.

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Wild West Pinball: Bar und Bank

Die Eisenbahn pfeift, stampft und rumpelt, Glöckchen, Klingeln und Kassen ertönen, Klickern und Klackern beim Kontakt der Kugel (6 K!) mit den Flipper-Elementen, heftiger Schusswechsel bei der Aufgabe, eine hereinwandernde Spielfigur (Dirty Harry) abzuknallen, – kein elektronisches Gedudel und keine Musikuntermalung (iPod-Funktion läuft auf Wunsch weiter) stört einem bei dem Vergnügen, sich dreißig, vierzig Jahre in der Flipper-Historie zurückzuversetzen. Manchmal quietscht sogar eine nachlässig geölte Sprungfeder! Sagte ich es schon? Köstlich!

Ein einwandfreier und artenreiner Simulator mit deutlicher Betonung auf das Wesentliche. Ganz was Feines!

Okay, wenn man’s ganz genau nimmt, dann passt die elektronische Punktmatrix-Anzeige nicht ganz zum Holztisch; damals waren es noch deutlich vernehmbare und bedruckte Rollen, Räder, Walzen und Sichtschlitze, die im Kopfaufsatz (dafür fehlt freilich der Platz in der Sim) über den Spielstand informierten. Auch ist „Dirty Harry“ (unten dazu mehr) nicht wirklich eine Figur aus dem klassischen Wilden Westen – und hat außer mit Clint Eastwood nichts damit zu tun.

Aber der Ansatz geht in eine sehr interessante Richtung: Technisches Museum in 3D, voll in Funktion! Eine wertvolle und ausgesprochen interaktive Dokumentation historischer Gebilde. Bitte mehr davon.

Vier Kugeln pro Spiel, keine Gnade beim Ballverlust gleich am Anfang wie bei anderen Weicheier-Pinballs. Auch der Wilde Westen war nicht immer ein Zuckerschlecken mit romantischer Verklärung. Aber es besteht reichlich Gelegenheit, es den Out-Lanes und der lästigen Gravitation gebührend heimzuzahlen ;)

Zwei ziemlich große Flossen helfen dabei ungemein. Die Kugeln können durch Aufhalten der Flipper vorbildgetreu gestoppt werden, um die Ziele in Ruhe anzuvisieren („Trapping“). Kein Zeitlimit.

Unten zwei Out-Lanes mit hinterlistigen Weichen, die von den Roll-Over-Lichtern ganz oben gesteuert werden. Pause-Funktion durch Berühren der Spielstandsanzeige.

Wild West Pinball wird ausschließlich im Portrait-Modus (hochkant) gespielt. Die optische Darstellung bedient sich einer fortgeschritteneren Scroll- und Zoom-Technik. Es wird nicht einfach nur auf- und abgescrollt wie bei Freeballin‘ oder Pinball Dreams, sondern die Automatik schwenkt und zoomt in mehreren Richtungen, damit man stets den optimalen Überblick behält. Prima. Sehr brauchbar.

3D-Darstellung des Tisches: Im Prinzip eine Draufsicht mit dreidimensional hervorgehobenen Elementen, machmal recht dramatische Kamerafahrten und -flüge auf einzelne Details. Hochinteressant! Ein Augenschmaus! Großes Kino!

Der virtuelle Plunger kann fein justiert werden, zieht man ein wenig fester, kommt man unweigerlich an der Bar vorbei (es wird nicht das einzige Mal bleiben ;) allerdings handelt es sich nicht um den Skill-Shot) und kassiert gleich mal einen Tausender Wegegeld.

Kombinationen von Rampenläufen werden ebenfalls honoriert. Ansonsten funktioniert es so, wie es vor ein paar Jahrzehnten üblich war, wofür sich damals schon viele begeistern konnten, und was auch heute noch bei keinem ordentlichen Flipper fehlen darf:

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Wild West Pinball: Habakuk stolzer Fünfter im weltweiten (!) Online-Ranking

Mehrere Lichterreihen müssen durch Überrollen oder Berühren von Kontakten komplett aktiviert werden, dann steht der Weg frei für verschiedene Aufgaben. Darüber informieren Schrifttafeln und kleine, in die Spielfläche eingelassene und blinkende Pfeile.

Etwa „Bank Robbery“ (die Bank plündern), „Goldmine“ (nichts wie auf die Eisenbahn-Rampe, das obere Tunnelportal lässt sich mit etwas Geschicklichkeit auch mit Hilfe der rechten Flipperflosse treffen) oder „Kill Dirty Harry“, eine besondere Herausforderung, bei der es wahrhaftig um Sekundenbruchteile geht, und wo man beileibe nicht oft zum Üben kommt (Nachschuss möglich, auch wenn die Zielscheibe schon wieder in der Mine verschwunden ist). All diese „Missions“ bringen im Erfolgsfall zwischen 50.000 und 200.000 harte U.S.-Dollar (oder gar noch mehr) aus der vorletzten Jahrhundertwende (oder noch früher).

Sehr positiv fällt im Gegensatz zum ebenfalls vor ganz kurzem erschienenen Freeballin‘ auf, dass die Ladezeiten des Spiels extrem kurz sind. Dadurch besonders geeignet für das schnelle Spielchen zwischendurch.

Die Online-Übermittlung des Spielstands auf eine ins Spiel integrierte, dynamische Web-Seite funktioniert ebenfalls rucki-zucki und soweit zuverlässig. Das ist ein ganz tolles neues Feature bei den letzten Pinbällen und stiftet gehörig Anreiz, es der Welt zu zeigen. Ein absolutes Novum in der Pinball-Geschichte, dieses Ausstattungsmerkmal würde Real-World-Maschinen (über Wi-Fi) ebenfalls gut stehen.

Auch hier führen in WWP kurze und effiziente Wege zum Ziel: Der Home-Bildschirm des Spiels (animierter Präsentationsmodus) braucht nur nach links weggeschoben (flick) zu werden, schon erscheint die oben links abgebildete Schrifttafel. Im Gegensatz zu Freeballin‘ gibt es allerdings (vorerst) nur eine All-Time Highscores-Liste. Wünschenswert wäre bei beiden Spielen, dass der errungene Highscore bei Verbindungsproblemen auch erst zu einem späteren Zeitpunkt hochgeladen werden kann.

Ein paar Tage später wird die nett und passend gestaltete Highscore-Liste – für alle Browser erreichbar – online gestellt [und noch später mit mehreren Filteroptionen aufgewertet; das war ein Zwischen-Update vom 13. April 2009].

Löblich: Übertrifft man seinen bisherigen Höchststand, wird man sofort während des Spiels mit einer auffälligen (aber nicht störenden) Animation darüber informiert, auch die 100.000-$-Marke und weitere runde Summen werden besonders hervorgehoben. Der ansonsten schwer geforderte Spieler wird sehr sensibel unterstützt.

Man ist irgendwie „gut aufgehoben“ im Wilden Westen. Flipper-Freaks, auch die Hartgesottensten, fühlen sich gleich ganz wie zu Hause.

Spezieller Rossau-Tipp: Ab der ersten Million gibt es eine Freikugel! (Das ist sonst nirgendwo dokumentiert.)

Die Bewegungssensoren werden auf sehr subtile Weise unterstützt, wie ich mehr oder weniger zufällig herausgefunden habe (es gibt keinerlei Anleitungen, und auch die Hersteller-Website funktioniert noch nicht [doch, funktioniert seit 15. April]):

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Wild West Pinball: Plunger (Abschussrampe)

Das lässt sich in aller Ruhe beweisen und überprüfen: Wenn die Kugel in der Abschussrampe liegt, und man bewegt das iPhone, so bewegt sich auch die Kugel ein wenig.

Ein- oder zweimal kam die Kugel sehr ausbalanciert und labil auf der Spitze eines Spielfeld-Elements (Slingshot) zum Liegen, und als ich das Telefon ein wenig neigte, „fiel“ sie in die erwünschte Richtung! Das ist ein sehr effektiver Einsatz der Accelerometer.

Auch der Besuch der Bank (dort kann man heftig einsacken) kann durch gezielte, ganz leichte Stöße oder einfaches Umdrehen des iPhotchs (damit Kugelfalle und Ausgang möglichst oben liegen) mehr oder weniger verlängert (damit wurden nach Angaben von Champions bereits Höchststände erreicht), die direkte Reise in die Out-Lane durch einen kleinen Ruckler im richtigen Moment (schleudert die Kugel wieder ins Spielfeld) verhindert werden, für letzteres braucht es aber einiges an Geschicklichkeit. Einen Abbruch des Spiels („Tilt“) gibt es nicht.

Update 11. Mai 2009

Die Entwickler von Wild West Pinball geben bekannt, ein großes Update auf die Versionsnummer 1.1 im App Store eingereicht zu haben. Mit einer Veröffentlichung in den nächsten Tagen ist zu rechnen. Details mit Bildschirmfotos hier.

Update 18. Mai 2009

Die angekündigte Aktualisierung auf Version 1.1 ist angekommen. Die eingangs erwähnten kurzen Verzögerungen sind fast weg, das Spiel läuft noch smoother. Der Intro-Bildschirm enthält jetzt weitere Informationen zu den einzelnen Elementen des Spieltischs. Der Spielablauf ist völlig unverändert.

Der Online-Highscore-Table wurde verbessert, man kann jetzt seine eigenen Ergebnisse in einer Liste anzeigen lassen („Click here to view complete scores table“). Nach jedem Spiel wird angefragt, ob der erzielte Score hochgeladen werden soll, der Spielstand bleibt in der Dot-Matrix-Anzeige stehen. News-Browser im Game (noch ohne Inhalt). Neues Icon-Logo.

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Eine ausgezeichnete Ergänzung
zu den bisher erschienenen Pinball-Sims!
Sehr empfehlenswert!

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Vorstellung und Diskussion bei touchArcade (englisch) über Wild West Pinball, auch der Entwickler pogosov hat sich dort schon gemeldet und verspricht Aktualisierungen und weitere Spaßfaktoren in naher Zukunft.

Review bei Macworld.

Hier nochmal der Hinweis auf unsere ausführlichen Rezensionen sämtlicher Pinball-Spiele für die iPhone/iPod-touch-Plattform:

Der etwas leichtere der beiden ZEN-Tische Rollercoaster bleibt die Rossau-Empfehlung Nummer eins speziell für Pinball-Einsteigerinnen am iPhone. Und zwar aus einem einfachen Grund: Die ZEN-Tische sind die einzigen, die weder scrollen noch zoomen, – so faszinierend das auch aussieht und so gut das auch funktioniert in Wild West, man hat niemals den ganzen Tisch im Blickfeld. (Zwischen-Update: Das wurde inzwischen behoben, – mit den entsprechenden Fingergesten kann man in allen Gameprom-Tischen jederzeit zwischen cinematografischer und Ganzer-Tisch-Anzeige hin- und herschalten.)

Um das Gefühl für die Zusammenhänge (etwa die Steuerung der oberen Lichterketten für die unteren Out-Lane-Weichen) zu bekommen, ist das entscheidend wichtig. Die ZEN-Tische ähneln – nicht nur in diesem Punkt – am ehesten dem äußerst bekannten und populären Windows-Flipper Space Cadet (auch genannt 3D Flipper für Windows). Rollercoaster bietet das größte Erfolgserlebnis, die Motivation ist am höchsten. Flippern ist nichts für Ungeduldige, wer diesbezüglich charakterlichen Aufholbedarf hat, ist hier bestens mit Übungsmaterial bedient.

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Äußerst selten und exotisch: Vertikaler Flipper; Bildquelle: Wikipedia

Passend zum Genre ein interessanter Artikel aus der Wikipedia: Kinetik (Technische Mechanik) für alle, die nicht nur Beobachtungsgabe und Konzentrations-, Reaktions- und Abschätzungsvermögen trainieren, sondern auch spielerisch etwas dazulernen wollen. Kulturhistorisch wissenswert vielleicht auch noch Informationen über Dirty Harry, der ja im neuen und eben vorgestellten Flipper eine gewisse Rolle spielt. Peng!

Weitere WWW-Hyperlinks aus dem mächtigen Nachschlagewerk zum Thema Flipper in den eben angeführten Rossau-Artikeln mit Erläuterungen sämtlicher pinball-spezifischer Fachbegriffe.

Happy trappin‘ in der sonnendurchfluteten Frühlings-Lobau!

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7 Antworten zu Neuer Flipper: Wild West Pinball

  1. Pingback: Neuer Flipper angekündigt: THE DEEP « Rossau

  2. Silent Rocco schreibt:

    „Wild West Pinball wird ausschließlich im Breitbild-Modus (Landscape, Querformat) gespielt.“

    Eben genau das nicht :)
    Was ich schade finde, weil die Daumen IMMER die Sicht auf die Flossen versperren. Sonst sehr schönes Review.

    • Habakuk schreibt:

      Danke für den Hinweis, Silent Rocco. Irrtum vom Amt, wurde korrigiert. Sorry.

      BTW Du kannst die Finger auch nach weiter oben (bis zur Spielstandsanzeige) verfrachten. Tue ich manchmal, wenn ich z. B. im Liegen ausflippe ;)

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