Exotisches Rätselabenteuer mit grenzwertigem Marketing ‘Rinth Island’ (Universal-App)

Rinth Island

Nur der Vollständigkeit halber und als Musterbeispiel für gierige Verkaufsmethoden.

An und für sich handelt es sich um einen hervorragenden 3D-Platformer mit starken Rätselementen. Die beiden wählbaren Steuerungsmethoden funktionieren sehr gut und sind völlig intuitiv erfassbar. Den Weg zum Ausgang in dem Turm-Labyrinth finden, dabei auf Leitern klettern und Kisten verschieben, später Bomben und andere Hilfsmittel benützen. Es gibt auch einen Level-Editor, mit dem man selbst Spielrunden gestalten und veröffentlichen kann.

Wieder einmal ist die komplette Liste der IAPs vor dem Kauf nur im U.S.-amerikanischen Store zu erkennen.

Wieder einmal ist die komplette Liste der IAPs vor dem Kauf nur im U.S.-amerikanischen Store zu erkennen.

Ich habe das Spiel schon länger und vermisste die mit den letzten Updates hinzugekommenen zahlreichen “Top In-App-Käufe” (“Top In-App Purchases”, “IAPs”) gegen echtes Geld (ungetestet) nicht. Es handelt sich dabei offenbar um einmal verwendbare Hinweise (Lösungstipps), Unlocks (Freischaltung von Spielrunden, auch wenn die vorigen ungelöst bleiben) und rein kosmetische Ausstattungsmerkmale (andere Helden, Tiere).

Allerdings vermisse ich die Undo/Rewind-Funktion (Rückschritt), die ursprünglich in der Kauf-Version dabei war. Damit musste man nicht jedesmal das Level neu starten, falls man sich mal verlaufen oder verkraxelt hatte. Die kostet nun 79 Eurocent extra. Schon regte sich berechtigte Kritik im tA-Forum (mit einer Stellungnahme des Herstellers): How is Rinth Island escaping hate for its IAP? Daraus: “As a paid-up-front game, Rinth Island seems to me to make the worst possible IAP mistake in that it disables an essential and simple feature, undo, unless you pony up more cash for an IAP.”

Vorwiegend scheint in dem U.S.-amerikanischen Forum jedoch die Stimmung vorzuherrschen: Das Spiel ist dermaßen saugut, dass man den Herstellern und/oder Vermarktern praktisch alles verzeiht und ihnen das zusätzliche Einkommen gönnt. Ich persönlich bin da etwas strenger. Vormals gekaufte Features in einer Software – und sei es nur ein lächerliches Spielchen, und sei es noch so hinreißend – plötzlich nachträglich kostenpflichtig zu machen, ist unredlich, grenzt an Betrug am zahlenden Kunden und kann auch nicht durch fadenscheinige Begründungen gerechtfertigt werden.

Dabei geht es überhaupt nicht um die Höhe der Beträge, sondern um das Vertrauensprinzip, “Gratis-Updates” jederzeit bedenkenlos einzuspielen. (Es gibt übrigens Methoden, frühere Versionen einer App zu sichern, das ist aber alles ein wenig umständlicher, als mir lieb ist.)

Bei mir kostet diese zweifelhafte Vorgehensweise mindestens einen Stern in der Bewertung. Und gleich einen weiteren, weil diese Echtgeld-Käufe im App-Store-Beschreibungstext nicht näher erläutert werden. Katz im Sack sozusagen. Es kann absolut nicht angehen, dass es Rezensenten und der Kundschaft überlassen bleibt, die gefinkelten In-App-Kaufoptionen (speziell in anspruchsvollen Rätselspielen, wo es auf eine penible Balance der Mittel ankommt) selbst zu ergründen. Wenn das so weitergeht, bleiben bald keine Sterne mehr übrig… Richtig schade um das schöne Spiel!

Ein Musterbeispiel, wie diese “Top In-App-Käufe” – und die gibt es inzwischen in X Variationen – NICHT implementiert werden sollten. Ein anderes Beispiel wird hier erläutert: Smurf’s Village (es enthalten heute geschätzte 60-70 Prozent der neuen Spiele IAPs).

Es mag schon so sein, dass Rinth Island prinzipiell auch ohne Undo/Rewind spielbar ist, aber die Funktion stellt schon eine hohe Zeitersparnis und Verführung dar. Daher auch kein TOPTIPP für das Game, obwohl es den rein vom Spielablauf her locker verdienen würde. Und der sehr populäre Publisher/Verlag Chillingo stand deshalb ohnehin schon längst auf meiner Watchlist.

Wie auch immer, das ansonsten wirklich ausgezeichnete Spiel (engl.) ist in seiner Basisversion derzeit erstmals um null Euro zu haben. Der Normalpreis betrug die ersten drei Wochen 0,79 Euro und wurde erst kurz vor der Gratis-Aktion auf 2,39 hochgeschraubt, wohl nur, um die Aktion attraktiver erscheinen zu lassen.

Grenzwertig. Trotz aller Bemühungen von Publisher und dessen Marketing-Abteilung, das Spiel beim Auspressen der Kundschaft komplett zu ruinieren (ein hoher Rang in den internationalen Highscore-Listen, die somit völlig obsolet werden, kann “erkauft” werden), ist es eine Erwähnung im Rossau-Blog wert… Meiner bescheidenen Meinung nach sollten sich die Programmierer lieber mit dem Spiel selbst – und nicht mit diesen gefinkelten Abzockmethoden auseinandersetzen.

Ich hoffe wieder einmal, genug gewarnt zu haben, und überlasse jedem die Entscheidung selbst, inwieweit er oder sie hier weitere Investitionen tätigen möchte. Ich persönlich rate schon aus Prinzipgründen dringend davon ab, auch wenn es sich nur um geringe Beträge handelt. Eine solche Art und Weise darf nicht unterstützt und gefördert werden, sonst gibt es bald nur noch solche Krämpfe im iOS App Store. Ein Grund übrigens, warum viele (tatsächlich: die meisten) Aktions-Apps hier in der Rossau nicht erscheinen. (S. About.)

Das Downloadvolumen von Rinth Island beträgt 102 MB, expandiert und installiert am iPad 194 MB. Video:

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2 Antworten zu Exotisches Rätselabenteuer mit grenzwertigem Marketing ‘Rinth Island’ (Universal-App)

  1. Robert Niessner schreibt:

    Vielen Dank für die immer tollen Reviews und Tipps!
    Ein Spiel, welche gänzlich konträr zu diesen Freemium-Apps läuft und auf jeden Fall einen Blick wert ist: “Dangerous” – kommt in der alten Tradition von “Elite”, “Frontier” und Eve-Online daher – sehr komplex. Das Entwicklerteam besteht nur aus zwei sehr engagierten Leuten, denen leider bisher die Aufmerksamkeit der Blogs verwehrt blieb. Das Interface des Spiels benötigt sicher noch eine Überarbeitung – es kann noch nicht mit aufpolierten Titeln wie Galaxy on Fire 2 mithalten, dafür bietet es aber weit mehr Spieltiefe.
    Ich habe im TA-Forum mitgelesen, anscheinend haben die Entwickler bisher nur 1.200 Einheiten verkauft und kämpfen daher mit den Finanzen. Ich finde das Duo gehört unterstützt – sie sind ständig mit den Fans im Kontakt und haben bisher 8 Updates herausgebracht wo v.a. Benutzervorschläge und Wünsche starke Berücksichtigung fanden. Sehr lobenswert.

  2. Pingback: Brillante Abenteuer-Action ‘Crow’ (Universal-App) | Rossau

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