
Tim Cook und Steve Jobs
Der charismatische, schon länger wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen eingeschränkt agierende und an der Entwicklung der iOS-Geräte maßgeblich beteiligte Apple-Gründer Steve Jobs gab in einem Brief seinen Rücktritt bekannt. Er wird der Firma jedoch als Chairman of the Board (Vorsitzender des Aufsichtsrats) weiterhin zur Verfügung stehen und empfahl den seit dreizehn Jahren bei Apple arbeitenden Tim Cook, bisher Leiter des operativen Geschäftsbereichs (COO, Chief Operating Officer), als seinen Nachfolger. Der neue Apple-CEO (Chief Executive Officer, Generaldirektor) Cook hatte Jobs bereits mehrmals vertreten, als dieser sich aus gesundheitlichen Gründen Auszeiten nahm. Die Apple-Aktie wurde zunächst nachbörslich vom Handel ausgesetzt, fiel dann um mehr als fünf Prozent und erholte sich aber am nächsten Tag wieder.
Die wichtigsten WWW-Hyperlinks
- Apple Press Info: Letter from Steve Jobs
- Tagesschau.de: Apple-Chef Steve Jobs tritt zurück
- Spiegel.de: Steve Jobs tritt ab, Abgang des iGods, Rücktrittsbrief *)
- ORF: Apple-Chef Steve Jobs tritt zurück
- Welt.de: Apple-Chef Steve Jobs tritt zurück
- Heise: Steve Jobs tritt zurück, Die Seele von Apple, Kurzvorstellung Tim Cook
- New York Times: Übersicht der 313 Apple-Patente, bei denen Jobs beteiligt ist (bei 33 davon als federführender Erfinder), Bill Gates entwickelte übrigens neun Stück Microsoft-Patente, die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin zusammen immerhin zwölf
- Ars Technica veröffentlicht einen Brief Tim Cooks an die Belegschaft; zusammengefasst: “An Apple wird nichts verändert”
- MacRumors: Steve Jobs Resigns as Apple CEO, Will Stay On As Chairman, Tim Cook New CEO ff
- The Wall Street Journal: Steve Jobs Resigns as Apple CEO, Meet Tim Cook: Apple’s New CEO
- Ars Technica über die vermeintliche sexuelle Orientierung von Apples neuem Generaldirektor Tim Cook, und warum man bei dem ansonsten angesehenen Technik-Verlag glaubt, dass das Thema Relevanz hat: Does the press have an ethical duty to out powerful gays in tech?
- Zuerst der Spiegel, dann Reuters… Schneller als befürchtet brechen alle meine bevorzugten Massenmedien weg, was die Seriosität anbelangt; Reuters Blog hat das Thema offenbar aufgebracht: Don’t ignore Tim Cook’s sexuality; ist an dem 2012-Weltuntergangskram etwa doch was dran?! Müder Rechtfertigungsversuch in rosa Hemdchen vom zuständigen Redakteur einen Tag später mit Video: Why I’m talking about Tim Cook’s sexuality
- Reuters weiter: Photo of seemingly frail Jobs appears on Web – Ein Foto, auf dem S. Jobs nicht allzu gut aussieht, taucht im Internet bei einer Paparazzo-Website auf und wird von Reuters seriöserweise nicht direkt abgebildet oder verlinkt; die Echtheit und/oder das Datum (“zwei Tage nach der Rücktrittsbekanntgabe”) sind anzuzweifeln, sofern man andere Meldungen in Betracht zieht, demnach Jobs noch am Tage der Bekanntgabe seines Rücktritts (24. August 2011) die volle Dienstzeit im Apple-Hauptquartier (Cupertino, Kalifornien) gearbeitet haben soll, siehe dazu auch:
- MacRumors (zitiert Bloomberg): Steve Jobs’ Resignation Not Indicative of Sudden Worsening of Health – Der Rücktritt als CEO soll nichts mit einer Verschlimmerung des Gesundheitszustands zu tun haben
- Wikipedia: Steve Jobs, Timothy D. Cook
Zitate
Steves außergewöhnlicher Weitblick und seine Führungskraft
haben Apple gerettet und zum innovativsten
und wertvollsten Technologieunternehmen gemacht.
Apple-Verwaltungsratsmitglied Art Levinson
Ich glaube, dass die besten und
innovativsten Zeiten noch vor uns liegen.
Und ich freue mich darauf, in einer neuen Rolle
den Erfolg von Apple zu beobachten und dazu beizutragen.
S. Jobs
*) Habakuks Kommentar zur Berichterstattung im Spiegel
Timothy D. Cook war zuletzt nicht “Technikchef”, sondern Leiter des operativen Geschäftsbereichs (COO, Chief Operating Officer). Das sei nur genannt als ein Fehler von vielen. Jobs’ “letzte Worte” als CEO kann man vielleicht etwas besser auf Deutsch übersetzen; ohne jetzt den Oberlehrer raushängen lassen zu wollen, aber es handelt sich beim Spiegel schlussendlich doch traditionell um ein Medium des möglichst geschliffenen Worts.
Ich kenne zwar persönlich so einige “Jünger” (äußerst originell diese Bezeichnung übrigens…), aber “iGod” hat ihn noch keiner genannt, und wenn schon, warum sollte dieses blöde Wort, das ich noch nie gehört habe, ausgerechnet vom iPod kommen, und nicht vom iMac, iPhone oder von iTunes, iOS..?! Außerdem habe ich noch kaum eine soziale Gruppe erlebt, die so wenig Konformitätsdruck ausübte und so viel Toleranz.
Den Herrn selbst kenne ich leider nicht persönlich, kann deshalb zu Sseinen
menschlichen Charaktereigenschaften nichts aussagen, empfinde aber die abschließenden Bemerkungen nicht als “dürr”, sondern als treffend und völlig ausreichend. Außerdem kam er mir in seiner Funktion als Apple CEO nicht ein einziges Mal egozentrisch, eitel oder anmaßend vor, soviel ich nach der Lektüre von Berichten aus gut informierten Kreisen und der Beobachtung von zahlreichen Videos mit ihm beurteilen kann.
Nicht mal im Ansatz. Und auch nicht göttlich. Ein Computerverkäufer halt, ein erfolgreicher. Versprechungen und Ankündigungen werden zuverlässig eingehalten. Netter und kompetenter Onkel mit einer gewissen Aura, die speziell auf Technik-Nerds wirkt. Wer beruflich oder privat mit diesen neumodernen Rechnern umgehen muss oder möchte, freut sich über Geräte, die möglichst einfach zu bedienen sind, gut funktionieren und prima aussehen. Welcher Konzernchef hat heutzutage noch eine Ahnung von den angebotenen Produkten? Das sind doch alles nur noch schwache, farblose und oft korrupte und unehrliche Repräsentationsmarionetten mit Politikerallüren.
So bleibt dem Spiegel in der weiten Sommerlochhitzedürre immerhin noch Raum, mit einem Wortschwall an Irrtümern und Vermutungen, Platitüden und abgelutschten Klischees, schwachen Interpretationen und glatten Designfehlern die vermeintlichen Lücken zu füllen. Und genau das ist der Unterschied zwischen gewöhnlich, normal und genial. Oder zwischen Samsung, HP, Microsoft, Google und Apple von mir aus. Amen.
Lieber etwas zu dürr, wenn man so will, aber richtig, als viel zu schwülstig und zu üppig, zu schlecht kopiert und zu falsch. Oder (Chance, damit die Spiegel-Redaktion ihr Gesicht wahren kann): Hoffentlich sind die Urlaubsvertretungen bald wieder dort, wo sie hingehören; die Qualität meiner Grundnahrungsmittel lässt nämlich schön langsam zu wünschen übrig.

Ansonsten zum eigentlichen Thema. Viele Insider sind sich sicher, dass Jobs vorgesorgt hat.
Das fast kompromisslose Durchsetzen der Absichten und die charismatischen und kreativen, innovativen und visionären Bestrebungen – beziehungsweise die außergewöhnlichen Führungsqualitäten in seinem Geiste, wenn man’s gern schwurbelig und sakrosankt ausdrücken möchte – werden wohl eher über die verhältnismäßig kleine, aber feine Firma Pixar (auf Computeranimationen spezialisierte Filmproduktion) “vererbt” und fortgeführt denn über den inzwischen gigantischen Verwaltungs- und Entwicklungsapparat Apple mit seiner enormen Rechts- und Patentabteilung. Ich bin da ganz zuversichtlich. An Jobs’ Funktionen beim Disney-Konzern ändert sich nichts, soweit zu erfahren ist.
PS: Kundenwunsch an Mister Cook. (Gratuliere zur Beförderung.) Bitte beim nächsten iGerät einen nicht spiegelnden Touchscreen einbauen, damit ich den Spiegel besser sehen kann. Grüße an Steve Jobs mit den besten Wünschen für seine Gesundheit von einem weitgehend zufriedenen Apple-User, dessen frühe Begegnungen mit Massenmedien unter anderem mit Donald Duck und Micky Maus begonnen haben.
