Opera Mini Web Browser im App Store [+Umfrage]

Während sämtliche Browser-Alternativen, die es bisher für iDevices gibt (Rossau-Bericht), letztendlich auf der Safari-Engine (WebKit) basieren und nur wenige zusätzliche Ausstattungsmerkmale bieten, soll der Internet-Browser des norwegischen Unternehmens Opera Software ASA eine völlig eigenständige Neuentwicklung darstellen. Opera Mini Web Browser ist soeben (13. April 2010, 0 Uhr) im App Store erschienen.

Angaben des Herstellers:

Einführung – Um surfen zu können, tippen Sie eine Adresse ein oder wählen Sie eine Schnellwahl bzw. ein Lesezeichen aus. Vergrößern Sie per Tippen mit einem Finger und scrollen Sie mühelos mit einer Fingerbewegung.

Tabbed Browsing – Surfen Sie gleichzeitig auf mehreren Websites und springen Sie mit Leichtigkeit von einer zur anderen.

Schnellwahl – Rufen Sie Ihre Lieblingswebseiten mit einem einzigen Klick über die virtuellen Lesezeichen auf.

Lang-Klick-Menüs – Bei einem langen Klick mit Ihrem Finger können Sie z. B. folgende Aktionen durchführen, wie öffnen eines Links in einem neuen Tab, eine Schnellwahl bearbeiten, sowie Text einfügen und kopieren.

Passwörter merken – Erinnern Sie sich mühelos an Ihre Passwörter und loggen Sie sich mit einem einzigen Klick auf Ihren Lieblingswebseiten ein.

Opera Link – Synchronisieren Sie Lesezeichen, Schnellwahl und Suchmaschinen zwischen Ihrem Mobiltelefon und dem Desktop-Computer. Aktivieren Sie dazu Opera Link im Einstellungsmenü.

Pressemitteilung, Demo-Video (engl.) der Firma Opera mit beeindruckendem Speed-Vergleich Opera/Safari:

Kurztest

Ich habe den neuen Browser (deutschsprachig, kostenlos, App Store Link) installiert, und er macht nach einem kurzen Test einen durchwachsenen Eindruck.

  • Schnell, übersichtlich, komfortabel, dazu mehrere Optionen, die Safari nicht bietet
  • Das schnelle Zoomen (offenbar zwei fixe Stufen; Einfach-Tap reicht, Tap mit zwei Fingern zoomt heraus) und Scrollen funktioniert beim Safari dennoch besser, nämlich auch stufenlos mit Pinch-Gesten (mit zwei Fingern aufziehen oder zusammenführen)

Der Rossau-Blog, dargestellt am iPhone mit Opera Mini

Dasselbe (klassische Layout) mit Apples Mobil-Safari

  • Solange nicht gezoomt wird, ist mit Opera auf den meisten Seiten praktisch nichts lesbar, auch in der Horizontal-Ausrichtung nicht; hier liegt der Safari deutlich vorn, und das ist ein sehr wichtiges Feature
  • Ausnahme: Mobil-Versionen von Web-Seiten (Hinweis: Viele Sites wie auch Rossau werden auf den kleinen Geräten vollautomatisch in der Mobil-Version angezeigt, es gibt keine spezielle URL; für das oben abgebildete Beispiel muss man auf der Blog-Page unten über einen Schalter auf das klassische Layout umschalten)
  • Gelegentliche Darstellungsfehler von Nicht-Mobil-Versionen auch nach Vergrößerung über den Zoom
  • Sprung zurück nach oben nicht über Berührung der iPhone-Statuszeile (Uhr) wie bei den meisten Apps mit langen Listen Standard, sondern über die rote Opera-Zeile darunter (und in der ansonsten empfohlenen Vollbild-Anzeige funktioniert das überhaupt nicht)
  • iPhone-Statusleiste auch im Vollbildmodus (es gibt Safari-Derivate, die in diesem Modus auch die Statusleiste ausblenden)
  • Bessere Lesbarkeit auf vielen Web-Seiten (nicht-mobil), wenn die Schriftgröße auf “Mittel” eingestellt wird
  • Die direkten App-Store-Links (zahlreich vorhanden etwa hier in der Rossau oder anderswo) führen auf eine Apple-iTunes-Seite (von wo aus es nicht weitergeht) und nicht direkt ins App Store wie mit Safari gewohnt => unbrauchbar
  • “Vor” und “Zurück” eindeutig schneller als bei Safari, der mithin darauf besteht, zu diesem Anlass die Pages neu zu laden
  • Tabbed Browsing (Wikipedia) sehr attraktiv gelöst, besser noch als mit Opera Minis für andere Mobilplattformen
  • Nach Beenden und Neustart von Opera sind die letzten Tabs wieder da (sogar wenn auf Flugzeug-Modus umgeschaltet wird), allerdings nicht auf ewig
  • Tabs laden im Hintergrund weiter, das kann Safari nicht
  • Textsuche innerhalb von Web-Seiten auch nicht
  • Textauswahl zum Kopieren kann Safari besser
  • Intuitive Bedienung, weicht jedoch stellenweise von den UI-Standards ab, was von vielen als unnötig empfunden wird
  • Neun Websites auf der Opera-Mini-Startseite zur Schnellauswahl
  • Die meisten Kontextmenüs werden durch Berühren und Halten (Tap and Hold) erreicht, etwa die Konfiguration der Schnellwahl-Seite, Speichern von Fotos, Pop-Up-Menüs beim Browsen zum Öffnen von Seiten in Tabs, Auswahl von Text
  • Diese Technik ist nicht schlecht, aber ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil die Optionen zunächst unlesbar direkt unter der Fingerkuppe erscheinen
  • Flash-Elemente werden wie beim Safari nicht dargestellt
  • Das rot/schwarze Farbschema ist Geschmackssache
  • Die “Einstellungen” befinden sich direkt in der App (und nicht in den iPhone-Einstellungen)
  • Import der Opera-Lesezeichen (Sync mit Desktop-Computer) offenbar nur möglich, wenn man einen Account bei Opera hat

Okay, es handelt sich um eine erste Version, und Opera ist bekannt dafür, auf seine Anwender zu hören.

Screenshots

Hier ein paar unsortierte Bildschirmfotos als von selbst ablaufende Diashow für die “großen” Browser und auch Mobil-Safari, egal ob klassisches Seiten-Layout oder Mobil-Version; mit dem Opera Mini Web Browser funktioniert die Diashow leider nicht:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Technische Details

Es handelt sich um eine Variante der Version 5 des mobilen Web-Browsers, den es für andere Mobil-Plattformen schon länger gibt, laut Opera benützen ihn über fünfzig Millionen Anwender. Voraussetzungen: iPhone oder iPod touch, Betriebssystem-Version 2.2.1 oder höher. Bisher ist noch keine speziell für das iPad optimierte Version in Aussicht.

Laut Opera Software ist Opera Mini für iPhones aufgrund seiner besonderen Kompressionsalgorithmen und der serverseitigen Rendering-Technologie um bis zu sechs Mal schneller als Safari. Eine Art Proxy-Browsing.

Das heißt, die angewählten Web-Seiten werden zuerst auf dem Server bei der Firma Opera “aufbereitet”. HTML und JavaScript werden interpretiert und in andere Dateiformate umgewandelt, dabei um bis zu neunzig Prozent verdichtet (Fachausdrücke: Prerender und Repackage) und erst dann an die Mini-Browser geschickt, die eigentlich keine Browser im klassischen Sinn sind, sondern eher Anzeigeprogramme von diesen besonderen Dateiformaten (sie verfügen über eine eigene Rendering-Engine) mit einer gewissen Interaktivität. Damit reduziert sich laut Opera auch das Datenübertragungsvolumen auf der User-Seite, kann also – je nach Datentarif des Mobilfunk-Netzbetreibers, etwa keine Flatrate – Geld sparen.

Man ist daher beim Surfen auf das Funktionieren der Opera-Server angewiesen, auch was das Tempo anbelangt. Noch ist die Software neu und nicht so oft installiert, daher mit der Beurteilung der Geschwindigkeit abwarten, bis eventuell die Massen damit browsen.

Sicherheitshinweis

Bei heiklen Web-Verbindungen (SSL), wo Datenschutz, Privatsphäre und Security eine Rolle spielen, würde ich mit dem Einsatz von Opera warten, bis diese Dinge von Experten näher inspiziert worden sind. Wie gesagt: Läuft alles über die Opera-Server.

Resümee

Besonders für das Browsen bei langsamen Internetverbindungen und mobilen Website-Versionen könnte Opera Mini Browser für iPhones bereits jetzt – mit Einschränkungen bezüglich Security, s. o. – eine ernstzunehmende Konkurrenz für Safari werden. Auch dann, wenn die zahlreichen Optionen den persönlichen Gewohnheiten eher entgegenkommen als mit Safari und seinen Derivaten.

Am 23. März 2010 wurde der neue Browser zur Begutachtung an Apple geschickt; dann gab es auf der Opera-Homepage ein Zählwerk, das minutiös darüber Auskunft gab, wie lange der Approval Process (das Genehmigungsverfahren) schon dauerte. Trotz aller Zweifel, ob eine “echte” Safari-Alternative jemals genehmigt würde, ist es nun also tatsächlich soweit; für viele eine Überraschung.

Darin eine Tendenz zu erkennen, dass sich Apple noch weiter gegenüber Software-Konkurrenten im eigenen App Store “öffnen” könnte, wäre bestimmt vermessen. Man scheint sich in Cupertino der Überlegenheit von Safari offenbar gewiss und scheut sich nicht, jedem einzelnen Anwender die Wahl zu überlassen.

Weitere Informationen

Umfrage

Hinzugefügt am 18. April 2010 um 19 Uhr. Bitte nur teilnehmen, wenn Opera Mini am iPhone oder iPod touch installiert und ausprobiert wurde. Dank im Voraus. Funktioniert rein technisch übrigens auch mit Opera Mini.

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2 Antworten zu Opera Mini Web Browser im App Store [+Umfrage]

  1. Michaelpürmayr schreibt:

    Opera Mini ist übrigens nummer 1 gratis App….. :)

  2. herupriadi schreibt:

    cool browser for mobile

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