Google Transit und die Öffis in AT

Der Zauber hielt nur während der Fußball-Europameisterschaft 2008 und im darauffolgenden Jahr an: Integration der Öffis in Google Maps, – hier bei uns in der Rossau genauer beschrieben. Seit dem ÖBB-Fahrplanwechsel 2009/2010 funktioniert das äußerst praktische Ausstattungsmerkmal nicht mehr.

Ein paar Recherchen brachten folgende Auskünfte. Zunächst Google Transit, man bedauert, setzt angeblich alles daran, das Service in Zukunft wieder anbieten zu können, und verweist im Übrigen auf die Online-Fahrplanauskunft des größten heimischen Eisenbahnverkehrsunternehmens:

Google apologises that Austrian transit data from OeBB is no longer available on Google Maps. We are sorry for any inconvenience this may cause to commuters, and are working hard to provide this service again in the future. For information on public transportation in Austria, visit http://www.oebb.at/pv/de/Servicebox/Fahrplanabfrage/index.jsp

Best
Noam Ben-Haim, Google Employee

Das Büro von Google Transit Europe befindet sich übrigens in Zürich, und im Öffi-Musterland Schweiz funktioniert das Service nach wie vor – inklusive Fahrplan der allerkleinsten Museums-Dampfzahnradbahn. In Zukunft soll der Fahrkartenkauf gleich online mit einem einzigen Klick erledigt werden können, ohne die App schließen zu müssen. Oh Wunder!

Seufz… Es folgen die Stellungnahmen der ÖBB und Wiener Linien.

Österreichische Bundesbahnen, Personenverkehr Aktiengesellschaft:

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir gerne beantworten.

Ausgehend von einem Projekt im Rahmen der EURO 2008 hat die ÖBB-PV AG begonnen, Google testweise Fahrplandaten zur Realisierung einer eigenen Fahrplanauskunft zur Verfügung zu stellen. Die dabei gemachten Erfahrungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

·       Die Berechnungsalgorithmen für Verbindungsanfragen bei Google und ÖBB sind verschieden, deshalb kann es systembedingt immer wieder zu unerwünschten unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

·       Auf kurzfristige Ereignisse im Reiseverkehr (z.B. Störungen) kann bei Google nicht hingewiesen werden.

·       Im Bereich der Fahrplanauskunft gibt es vielfache internationale Abstimmungserfordernisse unter den europäischen Bahnen. Eine internationale Integration der europäischen Fahrplandaten (z.B. grenzüberschreitender Verkehr mit Deutschland) ist bei Google nicht gegeben.

·       Die aus Kundensicht zunehmend geforderte Darstellung von Echtzeitinformationen in der Fahrplanauskunft ist nur über die Fahrplanauskunft der ÖBB möglich.

·       Eine von einer Adresse ausgehende Verbindungsabfrage muss mehrere mögliche Zielhaltestellen in der Nähe mit ausgeben können. Dies ist nur bei der Fahrplanauskunft der ÖBB möglich.

·       Verbindungsabfragen aus der ÖBB-eigenen Fahrplanauskunft SCOTTY unterliegen permanenten Qualitätskontrollen

Aus den vorliegenden Gründen werden seit dem Fahrplanwechsel 2009/2010 keine Fahrplandaten mehr an Google geschickt. Gleichzeitig wird SCOTTY, die österreichweite Fahrplanauskunft der ÖBB, hinsichtlich neuer verbesserter Funktionalitäten und benutzerfreundlicher Oberflächen verstärkt weiter entwickelt.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen gedient zu haben und bitten Sie um Verständnis, dass wir aus genannten Gründen keine Fahrplandaten mehr an Google senden.

Die – ansonsten eher unüblich – ausführliche und rasche Antwort lässt darauf schließen, dass es sich nicht um die erste Anfrage dieser Natur handeln dürfte.

Nun, die Fahrplanauskunft Marke ÖBB-Eigenbau (mir schwant Übles) ÖBB Scotty mobil (auch als iPhone-App erhältlich, siehe den bereits vorhin verlinkten Rossau-Artikel) unterstützt – im Gegensatz zu Google Maps/Transit einst – den ÖPNV (Nahverkehr, U-Bahn, Stadt-, Straßenbahn, Obus, Bus, evtl. Schiffs-, Standseilbahn- und Museumsbahnverkehr, privat geführte und öffentlich unterstützte Linien, auch Überland-Transit) nicht oder nur unzureichend. Wir haben das genau getestet.

Internationale Adress- und Öffi-Routensuche ist damit ebenfalls unmöglich. Das gleiche gilt für einen raschen Vergleich verschiedener Verkehrsmittel auf der gleichen Route; etwa: Auto, Öffi, Fahrrad – womit bin ich schneller? Scotty kann zum Beispiel mit dem Suchbegriff “Museumsquartier” nichts anfangen, man muss die exakte Adresse oder den Namen der Haltestelle wissen.

Weiterer entscheidender Vorteil von so vielen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann: Das in dutzenden Sprachen ausgeführte Google Maps hat fast jeder Smartphone-Besitzer (egal welches System) fix installiert, die lokalen Insellösungen wie Scotty oder Qando (ausschließlich deutschsprachig) müssen (etwa von Touristen) in unübersichtlichen Software-Stores erst gesucht und gefunden werden (ungefähr neunundneunzig von hundert österreichischen Android-Usern wissen nichts von Scotty). Im Vergleich zum ehemaligen Google Maps Transit ist Scotty… ähm… eine müde Krücke, um es vorsichtig und diplomatisch auszudrücken.

Beschwerden und Anregungen seitens der Beförderungsfälle (= Bahnjuristendeutsch für eventuelle Fahrgäste/Bahnkunden, o Graus, die nichts als Arbeit und Umstände machen) werden im Übrigen gerne über das ÖBB-Kontaktcenter entgegengenommen. ;)

Wiener Linien GmbH & Co KG, Kundendienst:

Die Mobilapplikation von Google Maps wird nicht von den Wiener Linien betreut, und wir haben leider auch keinen Einfluss auf die Funktionalität dieses Angebotes. Laut Google wird unser Service bald wieder für Sie verfügbar sein.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Information helfen konnten.

Das funktionierte schon besser; hier die mobile Browser-Version Google Maps

Die Wiener Linien bieten eine weitere App mit extrem peinlichem Rechtschreibfehler gleich im Titel an: Qando.

Weiteres Blog-Posting: Google Public Transit und der OeBB Fail mit ein paar Links zu entsprechenden Google-Threads.

Leider kann ich an dieser Stelle keine besseren Nachrichten übermitteln. Wirklich schade, das in weiten Grenzen städte- und länderübergreifende Service Google Maps Public Transit funktionierte so weit ausgezeichnet, und es schaut nicht gut für die nahe Zukunft aus.

Bitte jetzt nicht sagen, dass wir halt alle zwei Jahre eine Fußball-EM brauchen. Der monatelange Ausnahmezustand rund um die Rossau reichte mir für die nächsten paar Jahrzehnte…

Aktualisierung (16. Juni 2010). Auch der WebStandard hat sich dankenswerter Weise des Themas angenommen: ÖBB vs. Google: Keine Fahrplandaten für Google Maps mit WWW-Hyperlink zum entsprechenden Google-Supportforum, wo sich die Links zu den Initiativgruppen der Sozialen Netzwerke befinden. Mitmachen!

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8 Antworten zu Google Transit und die Öffis in AT

  1. Pingback: Öffis in Österreich « Rossau

  2. manfred schindler schreibt:

    ad ÖBB:
    da sollte “man” die ÖBB massiv auffordern dioe daten wieder an google zu liefern. das angebot ist wirklich nicht vergleichbar..

    ad wiener linien:
    heisst das, dass die daten bisher gar nicht von den wiener linien (VOR?) kamen?

    das feine bei google maps war die integration aller (öbb, vor, wr. linien) daten mit der funktionalität von maps

    scotty ist auch von der usability her nicht vergleichbar

    und qando schon überhaupt nicht, wenn ich nicht ohnehin schon weiss, von welcher haltestelle zu welcher haltestelle.

    im übrigen funkrioniert die öffi abfrage auch in den meisten städten östereichs und kontinentaleuropas nicht (mehr). ich hab paris, münchen, berlin und einige ö. städte ausprobiert, nur london und new york geht noch.

    noch was zu anachb.at weil das auch hierher passt:
    die angekündigte iphone app. kommt doch nicht im laufe des jänner 2010 wie angekündigt ;-) lt. nachfrage sind sie im teststadium und die app “erscheint rechtzeitig vor beginn der radsaison”

  3. manfred schindler schreibt:

    siehe auch die aktuelle dikussion auf:

    (falls das nicht klappt: http://tinyurl.com/googleoeffis )

  4. driver schreibt:

    Nicht zu vergessen, Benutzer anderer mobilgeräte (keine Apple geräte). Google Maps gibt’s auch für zahlreiche andere Plattformen.

    Hier auf Android (HTC Smartphone) hab ich nicht einmal die Möglichkeit die ÖBB-Lösung zu verwenden, weil Scotty gibts gar nicht für Android.

    Meine Situation:
    Also bis Dezember hatte ich noch Öffi-Routing mit voller Integration meiner Kontakte (z.b. Route von “aktueller Standpunkt” zu “”) und vielen anderen Usability-Vorteilen und jetzt hab ich GAR NICHTS.

    Rhetorische Frage in den Raum:
    ——————————————–
    Sollte es nicht im Interesse Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel sein, möglichst vielen potentiellen Kunden Zugang zu Ihren Fahrplänen zu ermöglichen und zwar so barrierefrei wie möglich?

    Soll ich mir jetzt ein iPhone kaufen, oder wie stellt sich die ÖBB das vor?

    Ich vermute mal (ohne da was genauer zu wissen) dass Qando/Scotty in irgendeiner Form gefördert worden ist, oder die Projekte unter dem Druck stehen erfolgreich zu werden, weil da irgendwer Mittel bereitgestellt hat die sich jetzt rentieren müssen, und die Aktion mit Google ist eine Art Notbremse um das mit “Gewalt” zu fördern. Das ist nicht im Interesse des Kunden, wohlgemerkt, aber solche Entscheidungen werden meist viel kurzsichtiger getroffen.

    Kundenorientiert wäre ja ein Angebot so breitbandig wie möglich (und da wär Google sicher nicht auszulassen).

    Oder die Schnittstelle zu Google kostete zu viel. Aber das kann ich mir auch ned wirklich vorstellen, lass mich aber gerne eines besseren belehren.

    just my 2 cents

  5. manfred schindler schreibt:

    lt. diskussion im google forum dürften die wiener linien die daten mittlerweile wieder an google weitergeleitet haben:

    http://tinyurl.com/googleoeffis

    wenn das stimmt, dann liegt es jetzt an google das service wieder zu aktivieren.

  6. manfred schindler schreibt:

    mir ist gerade aufgefallen, dass auf maps.google.com (seit?) bei der routenplanung nur mehr die symbole für zu fuss und für auto angeboten werden. so eine umstellung macht man doch nicht, wenn man grad vorhat die funktion für öffis wieder zu öffnen………

  7. Pingback: ‘AnachB.at’: Öffi-Navi für Wien, NÖ und Bgld. « Rossau

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