Google stellt Gratis-Navi für Android 2.0 vor

Beeindruckendes Promotion-Video von Google Maps Navigation:

Google präsentiert heute ein mobiles GPS-Navigationssystem für Smartphones, das kostenlos und zunächst nur für die neue Android-2.0-Plattform zur Verfügung stehen soll. Angaben des Herstellers:

“Die neuen Ausstattungsmerkmale bieten zunächst alles, was man von einem GPS-Navi erwartet: Turn-by-Turn-Navigation, akustische Sprachausgabe, Kommandos per Spracheingabe, dreidimensionale Ansichten und automatische Neuberechnung der Wegstrecken. Im Gegensatz zu herkömmlichen Navi-Systemen wurde Google Maps Navigation jedoch von Grund auf neu konstruiert, um darüberhinaus die Internetverbindung der Smartphones zu nützen.

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Straßenansicht von Google Maps Navigation auf Android 2.0, Abb.: Google

Die App bietet unter anderem:

  • Up-to-date Kartenmaterial: Verfügt über die jüngsten Geodaten von Google, die ständig von Google und den Anwendern, die Korrekturen übermitteln, aktualisiert werden
  • Eingabe in ‘natürlicher Sprache’ (Wiki): Ziele werden über Firmennamen oder Orientierungspunkte lokalisiert; keine genaue Adressangabe nötig
  • Spracheingabe: Google Maps Navigation interpretiert das Wunschziel und entwirft die Wegstrecke
  • Aktuelle Verkehrsinformationen: Staugefahr wird über spezielle Indikatoren vorhergesagt
  • Anzeige von Sehenswürdigkeiten und Firmendependancen, die sich entlang der Wegstrecke befinden
  • Anzeige aus der Sicht des Satelliten: 3D-View der Strecke, damit die Himmelsrichtungen erfasst werden können
  • Straßenansicht: Fotorealistische Darstellung der Strecke und Aufnahmen vom Ziel”

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Das erste Gerät mit Google Maps Navigation wird das Motorola Droid (Vertragsprovider Verizon/Vodafone; Artikel darüber bei Heise, Mac Rumors; Motorola-Produktseite), dieses erste aus einer Serie von “Droid-Phones” soll in den Vereinigten Staaten in einer Woche, am 6. November, auf den Markt kommen. Heise:

US-Bürger können das Droid für $200 kaufen, müssen dazu aber noch einen 24-Monatsvertrag abschließen, der für Telefonie mit mindestens $40 pro Monat zu Buche schlägt; der Zugang zum Datennetz kostet zusätzlich $30 im Monat.

Google und Apple seien gerade dabei, die Applikation auf das iPhone zu bringen, ein genauer Erscheinungstermin stehe jedoch noch nicht fest, berichtet CNET und zitiert dabei Googles Vizepräsident und Technischen Direktor Vic Gundotra. Abb.: Motorola

Spiegel Online:

Google Maps Navigation wird auch an das iPhone angepasst. Der Prozess sei ein anderer als bei normalen iPhone Apps, erläutert der Entwickler. Maps wird von Apple nicht über den Apple Store [sic!] vertrieben, sondern auf dem iPhone vorinstalliert. Anwender könnten also nur in den Genuss der neuen Navigationsfunktionen kommen, wenn Apple Google Maps Navigation in ein Betriebssystem-Update integriert.

Droid Demo-Video bei YouTube

Das Smartphone soll in Deutschland unter dem Namen Milestone auf den Markt kommen, allerdings ohne Google Maps Navigation. Genauer Termin und Preis sind noch nicht bekannt. Heise: Motorola: Neustart mit Android-Smartphone.

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Resümee

Das bedeutendste Feature dürfte vorerst und gleichzeitig auch der größte Nachteil dieser eingebauten Handy-Navis gegenüber herkömmlichen Stand-Alone-Systemen sein, nämlich die Tatsache, dass eine ständige Internet-Datenverbindung vonnöten ist. Dies macht sich bei an einen bestimmten Provider durch Verträge gebundenen Mobiltelefonen besonders dort bemerkbar, wo man ein Navigationssystem am dringendsten braucht: Im europäischen Ausland wegen der Gebühren (in Nordamerika ist das nicht ganz so dramatisch). Auch Telefongespräche lassen den Anwender leicht orientierungslos werden, – sämtliche bisher erhältlichen iPhone-Navi-Apps schalten in so einem Fall vorübergehend ab.

Aber vielleicht finden die Software-Riesen da ja akkurate Lösungen (Cache, Backgrounding). Der Markt mit der zum Teil recht teuren Navigations-Software wird jedenfalls gehörig aufgemischt, und das kann sich für die Konsumenten ja durchaus positiv bemerkbar machen.

Die ich rief, die Geister…

Paranoiker und Verschwörungstheoretiker finden wieder jede Menge Nachschub: “Die Datenkrake Google kennt jetzt nicht nur mein Adressbuch und meinen Terminkalender, meine Office-Dateien und persönliche Gesundheitsakte, meine E-Mails und Internet-Suchanfragen, meine Videos und Fotos, meine Blogs und sozialen Angelegenheiten, sondern weiß jetzt auch immer ganz genau, wo ich zu finden bin und wo ich hinmöchte.”

Das ist bestimmt nicht ganz von der Hand zu weisen; bisher wusste es halt nur der Mobilfunk-Provider. Und ob jetzt T-Mobile, Orange, Facebook oder Google schnüffelt, ist auch schon egal. Niemandem ist wohl dabei, es ist offenbar der tatsächliche Preis für die “kostenlosen” Bequemlichkeiten. Unverschämt praktisch allenthalben. Fluch oder Segen? Schwere Entscheidung.

Aus einem Forenposting:

Das Problem ist die Infoballung bei Google. Wenn T-Mobile weiß (aber sich eigentlich nicht dafür interessiert), wo ich bin, Yahoo! meine Mails mitliest, und Facebook meine letzten b’soffenen Partyfotos hat, ist das ziemlich egal. Aber Google will all das mit aller Gewalt zu sich holen. Und wer glaubt, diese Daten werden nicht verknüpt, ist höchst naiv. JEDE neue Google-Anwendung hat den EINEN Sinn: Nämlich mehr von uns zu erfahren. Und sie sind halt so hinterfotzig praktisch…

Nun, ob das alles so egal ist..? – “Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los”, hieß es schon bei Goethe. Andererseits kann man die Geräte auch abschalten. Nur: Wer tut das schon?!

Diese Features können nämlich auch Leben retten, falls man mal verschütt geht. Und man kann es ja auch als Service einsetzen und betrachten, wenn die omnipotente Suchmaschine über die persönlichen Präferenzen Bescheid weiß.

Jeder hat von den Ressentiments und Protesten gegen Google Street View gehört. Ich habe heuer im Mai dieses Google-Wagerl mit seinen umfangreichen Dachaufbauten in der Rossau, also in der Innenstadt von Wien, bei schönstem Frühlingswetter persönlich gesichtet; damit werden die Rundum-3D-Aufnahmen für die Straßenansicht angefertigt, und die Gegend wird mit Lasermessgeräten abgescannt.

Die Frage ist nur, ob auch meine Person gescannt wurde, ;) und leider habe ich vergessen, mit einem Bildfänger “zurückzuschießen”.

Unerhört praktisch

Erst mal sehen, was die Praxistests von GMN ergeben. Das äußerst professionell und aufwändig hergestellte Promo-Video von Google ist ja ganz nett anzusehen, aber bis das in Europa zuverlässig hinhaut, wird bestimmt noch eine Weile vergehen.

Schon praktisch (okay, da sind ein paar Zukunftsvisionen dabei): Du tippst am Smartphone auf ein geo-getaggtes Foto, das auf irgendeiner Website prangt, oder sagst: “Bring mich zum nächsten Wirtshaus, wo es Martinigansl mit Rotkraut ohne Zucker und mit einem kleinen Knödel gibt”, und schon rechnet dir das Gerät auf die Minute genau aus, wie lange du brauchst, bis du zu Fuß, mit dem Rad, dem Auto oder den Öffis dort bist (das funktioniert schon jetzt mit Google Maps am iPhone), liefert Fotos und User-Bewertungen der Gaststätte, lädt, falls genehm, per SMS einen ausgesuchten Bekanntenkreis ein, führt dich mit oder ohne Umwege zur Location, reserviert Tisch und Parkplatz, bestellt (und bezahlt) eventuell vollautomatisch die Fahrkarte und zwanzig Minuten vor der Ankunft die Speise. Und vergisst dabei nicht auf deine Sonderwünsche bezüglich Beilagen und auf jene der Facebook-Freunderlwirtschaft. :)

Habe ich es schon erwähnt? Google Maps Navigation, bestimmt das mächtigste aller derzeit erhältlichen (Europa: bitte warten…) Navi-Systeme, ist kostenlos.

google-on-androidEndlich Konkurrenz?!

Mit den Droid-Phones kommt jetzt vielleicht endlich so etwas wie eine ernstzunehmende (und durchaus erwünschte) Konkurrenz für das iPhone auf. Google gibt Apple erstmals recht deutlich zu verstehen, dass die besten Apps keineswegs nur mehr für das iPhone reserviert sind.

Die Zukunft liegt nämlich beileibe nicht mehr nur im Browser, sondern vielmehr in den wichtigen mobilen Web-Apps und in der Wolke Nummer sieben (Wikipedia: Cloud Computing; Ars Technica: The Cloud: A short introduction). Und da ist Google fast uneinholbar einsame Spitze. Es handelt sich bei solch reichhaltigst ausgestatteten Software-Boliden wie Google Maps Navigation um handfeste und beinharte Kaufargumente!

Abbildung (Motorola) oben: “Google Mobile Services”-Vollausstattung auf neuen Android-Smartphones.

Wir stellen fest: Die Apple-Geräte sind seit langer Zeit diesmal nur Zweiter. Außerdem fällt fast schon auf, dass in dieser ganzen Debatte um hypermoderne Hard- und Softwarefeatures so gut wie kein einziges Mal das Wort Microsoft fällt.

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Handverlesene WWW-Hyperlinks

Die Ankündigung von Google Maps Navigation und das Motorola Droid/Milestone ruft weltweit nachhaltiges Echo auf den Finanzmärkten und in den Medien hervor.

Und zu guter Letzt sei doch noch ein Artikel zum mobilen und allgemeinen Microsoft-Desaster empfohlen. Standard: Niemand will Windows am Handy. – “Keine Chance mehr…” Der Riese wankt und geht offensichtlich bald ein wie Nikolai Valuev neulich.

Siehe auch hier bei Rossau:

23. April 2010

Die Portierung der App für das iPhone ist wieder einmal im Gespräch, es gibt jedoch keine konkreten Zusagen, alles eher vage. MacRumors dazu: Questions Arise Over Google’s Plans to Bring Free Turn-By-Turn GPS Navigation to iPhone.

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